Müllers Netzwelt : Problemzone Land

Dirk Müller ist Experte für  Breitbandausbau in SH.
Dirk Müller ist Experte für  Breitbandausbau in SH.

Beim Breitbandausbau klafft die Lücke zwischen Stadt und Land immer mehr.

shz.de von
03. Januar 2015, 08:00 Uhr

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass bis 2018 alle Haushalte mit 50 Mbit/s ausgestattet sind. Die Telekom hat in dem Zuge der Bundesregierung zugesagt, Teile ihres Netzes mit sogenannter Vectoringtechnik auszustatten. Sie erlaubt über die Kupferdoppelader Datenübertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s. Allerdings funktioniert diese Technik zurzeit nur (wer weiß, was morgen kommt), wenn nur ein Netzbetreiber die grauen Kästen am Wegesrande mit dieser Technik ausstattet. So wurde entschieden, dass derjenige, der zuerst die Ausstattung dieser grauen Kästchen verbindlich plant, diese auch exklusiv nutzen kann. In dem Moment hat kein Wettbewerber mehr den Zugriff auf die Kupferdoppelader. Also wie früher vor der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes. Wettbewerber können dann bei dem Vectoringanbieter einen Bitstrom mieten und müssen nicht mehr selbst in Infrastruktur investieren.

 Das hat dazu geführt, dass die Telekom viele Städte nun mit Vectoring ausstattet. Was fehlt sind die ländlichen Räume, die eigentlichen Problemzonen in Deutschland. Was Vectoring nämlich nicht schafft ist, die Längenproblematik der Kupferdoppelader aufzuheben. Vectoring funktioniert nur bei kurzen Leitungslängen. Im ländlichen Raum sind die Leitungen meist erheblich länger. So kommt es dazu, dass die Telekom zurzeit insbesondere in den Gebieten ausbaut, wo es schon Wettbewerber mit leistungsfähigen Netzen gibt. Hierbei handelt es sich um die Kabelnetzbetreiber mit bis zu 100 Mbit/s, aber auch um Glasfaseranbieter mit technisch möglichen 1000 Mbit/s. So kommen wir in die Situation, dass in den Städten mehrere Netze mit bis zu oder ab 100 Mbit/s entstehen, im ländlichen Raum aber wenig passiert. Zu alternativen Lösungen zählen dann private oder öffentliche Glasfaseraktivitäten mit und ohne Förderung. Um aber eine flächendeckende Lösung zu realisieren, setzt man mal wieder auf Funk.

 Mit der digitalen Dividende II will man den DVB-T Anbietern ihre Frequenzen wegnehmen und an LTE Anbieter versteigern. Die DVB-T Anbieter und Kunden müssten auf DVB-T2 umstellen. Wie schnell das geht, ist jedoch noch umstritten. Mit dem aus der Versteigerung eingenommenen Geld sollen dann wieder Breitbandprojekte gefördert werden. Allerdings sagt niemand, mit welchen Einnahmen zu rechnen ist. Eine andere Einnahmequelle schlagen die Verbände der alternativen Anbieter vor. Der Bund sollte sich von den Anteilen der Telekom trennen und die 15 bis 20 Milliarden Euro für den Breitbandausbau einsetzen. Angenehmer Nebeneffekt wäre, dass niemand mehr irgendjemanden einen Interessenskonflikt unterstellen könnte.

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