„Sherlock Holmes im Cyberspace“ : Online-Wettbewerb: Bundesnachrichtendienst sucht Hacker-Nachwuchs

Per Rätsel zum neuen Job: Der Bundesnachrichtendienst will über einen Online-Wettbewerb gute IT-Forensiker finden.
Per Rätsel zum neuen Job: Der Bundesnachrichtendienst will über einen Online-Wettbewerb gute IT-Forensiker finden.

Terroristen sind vernetzt, Hacker könnten die Bundestagswahl beeinflussen. Dem BND fehlen einschlägige Cyber-Experten.

shz.de von
02. März 2017, 10:37 Uhr

Es ist ein realistisches Szenario: Feindliche Hacker haben den Webserver einer staatlichen Versicherung geknackt und das mit weitreichenden Zugriffsrechten versehene Passwort geändert. Was dann unter dem Motto „Sherlock Holmes im Cyberspace“ beim Bundesnachrichtendienst (BND) im Internet zu finden ist, gleicht einer Art Rätsel: Computerfreaks sollen herausfinden, welche Schwachstelle die Angreifer genutzt haben, um den Server zu kapern.

Der Bundesnachrichtendienst hat ein Nachwuchs-Problem - und das in einer Zeit, in der Hackerangriffe nicht nur häufiger, sondern auch gefährlicher werden.

Mit dieser ungewöhnlichen Aktion sucht der deutsche Auslandsnachrichtendienst quasi Hacker-Nachwuchs: Wer das Rätsel löst, kann sich als Neu-Spion bewerben. Eigentlich ist der BND ja streng geheim – Mitarbeiter tragen immer noch Tarnnamen und dürfen selbst gegenüber engen Freunden nicht sagen, was sie tun. Doch der Geheimdienst hat ein Nachwuchsproblem. Um im internationalen Cyber-Krieg bestehen zu können, fehlen Hacker im Staatsdienst. Deswegen haben sich die Verantwortlichen Aktionen wie den „Sherlock-Holmes-Wettbewerb“ ausgedacht – früher eigentlich undenkbar. Zuerst hatte „Bild.de“ über die Aktion berichtet.

So ungewöhnlich dieses Vorgehen auch klingt, der BND ist nicht der erste Geheimdienst, der via Online-Wettbewerb um Nachwuchs buhlt. Der britische Geheimdienst hatte sich auf einem ähnlichen Weg vor einigen Wochen auf die Suche nach talentierten Hackerinnen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren gemacht.

Ein BND-Sprecher räumt offen ein: Mittlerweile muss sich der Dienst als Arbeitgeber bei den Fachkräften bewerben – und nicht umgekehrt. Zumal der Bewerberkreis für Spezialaufträge wie das Code-Knacken oder die Cyber-Sicherheit nochmals eingeschränkt ist. Der BND hat mit stark schwankenden Bewerberzahlen je nach Stellenangebot zu kämpfen. Obwohl es eine hohe dreistellige Zahl von Bewerbern pro Jahr in diesem Bereich gibt, löst das die Probleme nicht. Eine Vielzahl der Interessenten scheitert schlicht an den Qualitäts-Anforderungen.

Aktuell sucht der BND händeringend IT-Forensiker – Experten, die Spuren eines Hackerangriffs sichern und analysieren können. Sie sollen auch dazu beitragen, Schwachstellen und Sicherheitslücken in der Infrastruktur zu erkennen.

Was der BND mit den möglichen künftigen Kollegen vorhat, ist aus den Aufgabenprofilen der Stellenanzeigen zu lesen, die mit der „Forensik Challenge“ verlinkt sind. Angesichts des vernetzten internationalen Terrorismus’ und der Bedrohung durch Cyberattacken aus Russland oder China werden wenig verklausuliert Spezialisten zur „Entwicklung und Erprobung neuer Verfahren und Methoden zur Informationsgewinnung aus IT-Systemen“ gesucht. Gerne auch zur „Informationsgewinnung mit Schwerpunkt auf den mobilen Plattformen“.

Im Klartext: Hacker gesucht. Islamisten kommunizieren schließlich vorzugsweise verschlüsselt mit ihren Handys und sie sind gerne in geheimen Bereichen der sozialen Medien unterwegs.

In der im Chaos Computer Club (CCC) organisierten Hackerszene hat der BND allerdings ein äußerst schlechtes Image. Zum einen gibt es massive politische Vorbehalte. Der Bundesnachrichtendienst trage wie der Verfassungsschutz dazu bei, Deutschland zum Dreh- und Angelpunkt globaler geheimdienstlicher Aktivitäten zu machen und damit eine flächendeckende Überwachung voranzutreiben, heißt der Vorwurf. Unter der Hand machen sich die Hacker auch über die technische Qualifikation der BND-Kollegen lustig.

Bei der Suche nach technisch versiertem Nachwuchs muss sich der BND gegen harte Konkurrenz behaupten. Experten, die Cyberangriffe analysieren und abwehren können, werden auch in der Wirtschaft dringend gesucht. Und die Unternehmen können in der Regel besser bezahlen als der Geheimdienst. Als Hacker im Staatsdienst winkt ein Einstiegsjahresgehalt von knapp über 50.000 Euro („Vergütung erfolgt nach dem TVöD Bund in der Entgeltgruppe 14“) und die Aussicht auf eine spätere Verbeamtung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen