Fietzes Netzwelt : Olympische Medienzeit – Wenn Eltern Ausnahmen machen

Skirennen, Skispringen oder Rodeln: Wintersport zieht auch die Kleinen in ihren Bann - und vor die Glotze.
Skirennen, Skispringen oder Rodeln: Wintersport zieht auch die Kleinen in ihren Bann - und vor die Glotze.

Auch Kinder interessieren sich für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang – und dürfen oft länger Fernsehen gucken.

shz.de von
19. Februar 2018, 12:42 Uhr

Na, wie lange dürfen Ihre? Olympia gucken, meine ich. Ihre Kinder. „Medienzeit“ ist das magische Stichwort. Pyeongchang hält uns doch ganz herrlich einen Spiegel vor: endlich einmal rutscht die Zeitverschiebung in die richtige Richtung. Die Kleinen brauchen keinen Kampf anzustrengen, denn um 22 Uhr 45 läuft noch nichts, im Gegenteil: zur besten Grundschulend- oder Hausaufgabenanfangszeit laufen Rodeln, Skispringen, nordische Kombination oder der Liebling der Kindergartenjungs: mit einem echten Gewehr echt schießen und zwischendurch ein bisschen durch den Schnee rutschen, fesselnd!

Wie hoch auch immer die Einschaltquoten sein mögen: unter noch Fernseher besitzenden Familien mit Kindern im relevanten Alter scheint ein regelrechter Hype ausgebrochen zu sein. Endlich mal wieder was zusammen machen, sagen sich die Erziehenden. Endlich mal glotzen bis die Augen tränen, genießen die Kids. Denn im Winter scheint auch die Zeit zu gefrieren.

Deutlicher: Beim Wintersport, bei Olympia dürfen plötzlich ganze Sportarten komplett geschaut werden. Irgendwie scheint Wintersport aus Pyeongchang keine Medienzeit zu sein.

Das ist ja eh ein magisches Wort: „Medienzeit“ – die häufigste Frage bei allen Elternabenden zu Medienthemen: was empfehlen Sie, wie lange sollte mein Kind was mit Medien machen dürfen? Sie wollen die harten Fakten? Sie wollen die gültigen Empfehlungen von Erziehungswissenschaftlern und Bundesministerien? Das wird Sie hart treffen, für manche Eltern scheint’s zu viel und für alle Kinder brutal zu wenig: zehn Minuten pro Tag pro Lebensjahr... 60 Minuten bei sechs Jahren, anderthalb Stunden in der dritten Klasse. So, jetzt ist es raus. Sie haben die offizielle Empfehlung.

Zurück nach Korea... Hier fackelt das olympische Feuer und bindet, wie früher Björn Bork auf dem Tennisgrün; die Familie schaut, es gibt kein fussballweltmeisterschaftliches „Papa schaut das Spiel mit Kumpels“ und im Second Screen auf dem Tablett läuft keine WettApp, sondern die „fail compilation winter games“, die Kids hantieren gekonnt mit der Multi-Camera-Perspektive beim Eiskunstlauf, strenge Zeitregeln schmelzen wie der Schnee bei uns im Norden und morgens vor der Schule läuft der 4er-Bob... sportlich sportlich!

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.

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