Voss’ Netzwelt : Offene Chancen

Mit dem elektronischen Personalausweis sollen Behördengänge von zu Hause möglich sein - nicht so in Schleswig-Holstein.

shz.de von
06. November 2017, 10:31 Uhr

Haben Sie schon einmal einen Behördengang elektronisch erledigt? Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Sie das schon einmal getan haben: Nur fünf Prozent der Deutschen verfügen über die technische Ausstattung dafür. Sie haben einen Personalausweis im Scheckkarten-Format mit freigeschalteter elektronischer Identifikation. Sie haben sich dazu ein Lesegerät gekauft und sie verfügen über einen Computer auf dem die Ausweis-App2 läuft.

Ich selbst habe nur den Personalausweis mit eID. Um den Rest habe ich mich noch nicht gekümmert. Der letzte Behördengang, den ich gemacht habe, war meine Hochzeit. Na gut, das wäre sogar im digitalen Vorzeigeland Estland einer der drei Verwaltungsakte, zu denen man noch selbst im Amt erscheinen muss: Eheschließungen, Scheidungen und Grunderwerb. ALLES ANDERE geht per Internet.

Es gibt eine Internetseite des Bundesinnenministeriums, auf der die Vorzüge des elektronischen Personalausweises präsentiert werden. Für Schleswig-Holstein wird da aufgelistet:

1. Steuererklärung abgeben. Okay. Dafür hat vermutlich der Bund gesorgt.

2. BAföG beantragen. Da es das BUNDES-Ausbildungsförderungsgesetz ist, wird das auch der Bund machen.

3. An- und Ummelden in Norderstedt. Das macht Norderstedt zur einzigen Stadt in Schleswig-Holstein, in der man mit dem Personalausweis tatsächlich online etwas anfangen kann – wenn die Informationen des Innenministeriums noch aktuell sind. Auf der Homepage des Innenministeriums wurde im September verkündet, dass der deutsche Personalausweis der einzige in der EU ist, dessen elektronische Identifizierung in der gesamten EU akzeptiert wird.

Genial! Ich kann mich mit dem deutschen Personalausweis an der Universität in Tallinn einschreiben, wenn ich will. An der Universität in Kiel kann ich das nicht. Dort muss ich mich online registrieren, um an ein Formular zu kommen, das ich ausdrucken und per Post wieder zurück an die Universität schicken muss.
Positiv formuliert: In der Digitalisierung in Deutschland gibt es noch viele offene Chancen!

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.
 

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