Dreyklufts Netzwelt : Netzausbau: Warum wir weiter auf Internet warten

Schneller Datentransfer in einem Hochgeschwindigkeitskabel (Symbolbild).

Schneller Datentransfer in einem Hochgeschwindigkeitskabel (Symbolbild).

Die derzeitige Debatte über schnelles Internet ist für den Ausbau auf dem Lande eher kontraproduktiv, schreibt unser Kolumnist.

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08. Dezember 2015, 17:57 Uhr

Kupfer gegen Glasfaser gegen Kupferkoaxial: Das sind die Lager beim Kampf um den Breitbandausbau. Kupfer, das ist das alte Telekom-Telefonkabel. Glasfaser, das ist die Zukunftstechnik, deren teuren Ausbau in der Fläche aber niemand  bezahlen will. Und Kupferkoaxial, das ist das alte TV-Kabel aus den 80ern, dem als Datenleitung ein zweites Leben eingehaucht wird – wo es denn vorhanden ist.

Das Absurde an dieser Diskussion vor allem in Schleswig-Holstein ist die tiefe Kluft zwischen Anspruch und Realität. Auf dem Dorf in SH sind vielerorts 6 Megabit pro Sekunde (MBit/s) schon ein Traum. Zur Einordnung: Damit kann man hochauflösend Video schauen. Die Politik verspricht aber seit Jahren 50 MBit/s, sogar 100 sollen laut in Großstädten lebenden Politikern flächendeckend Standard werden.

In dieser Woche prallten Anspruch und Wirklichkeit zwei Mal hart aufeinander: Die Monopolkommission wetterte am Montag gegen einen Vorschlag der Telekom, Telefonkabel auf 100 MBit/s aufzurüsten – mit einer Technik, die den Dörfern nicht weiterhilft und unter Ausschluss des Wettbewerbs in diesen Gebieten. Gestern verabschiedete sich dann die Bundes-CDU von der Idee, einen Rechtsanspruch auf 50 MBit/s  in ihr Programm zu schreiben.

Ich verfolge die Diskussion um Breitband-Internet seit vielen Jahren. Mein privater Anschluss hat sich seitdem von 6 auf 100 MBit/s beschleunigt. Weil ich das Glück habe, in einem TV-Kabel-Gebiet zu wohnen. Zehn Kilometer weiter beginnt die digitale Wüste. Je länger die Diskussion dauert,desto überzeugter bin ich: Wir brauchen Übergangstechnik, die das Internet überhaupt auf die Dörfer bringt. Lieber den 6er-Spatz als die 100er-Taube.

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