Henningsens Netzwelt : Mobilfunk in Europa: Ein saftiger Happen

Nicht die Wohlfahrt: Handynetzbetreiber holen schrumpfende Roamingaufschläge an anderer Stelle wieder rein.

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11. April 2016, 18:53 Uhr

Sonntag Nachmittag, die Sonne schien und halb Hamburg war unterwegs zwischen Alster, Dom und Elbchaussee. Mir stand der Sinn nach einem Krabbenbrötchen am Altonaer Fischmarkt, als ich das riesige schwarzrote Werbebanner an einem Hochhaus entdeckte: „Goodbye Roaming“ stand darauf, Vodafone verkündete die Abschaffung der Zuschläge für das Telefonieren im Ausland. So viel Großzügigkeit schaffte es sogar in die Wirtschaftsnachrichten der Zeitungen. Was dort oft nicht stand: Der britische Netzbetreiber erfüllt nur eine Vorgabe der EU. Das Parlament hat schon vor einem Jahr ein Verbot der Auslandsaufschläge beschlossen und den Mobilfunkern eine Frist zum 15. Juni 2017 gesetzt.

Doch unsere drei Netzbetreiber sind keine Wohlfahrtsorganisationen und das Herumstreunen der Kunden jenseits deutscher Grenzen verursacht Mehrkosten, wenn auch nur im Cent-Bereich. Also holen sich die Provider das Geld an anderer Stelle. Ein einminütiges Telefonat von Dänemark nach Deutschland kostet dank EU-Regulierung derzeit 23 Cent. Wer aber umgekehrt aus dem Heimatnetz Richtung Norden telefoniert, muss dafür als Telekom-Prepaid-Kunde pro Minute saftige 1,99 Euro berappen – mehr als das Achtfache. Dann doch lieber ein saftiges Krabbenbrötchen für sechs Euro – das hält länger.

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