„Papers, Please“, „Utopolis“ & Co. : Mobile Spiele: Wenn Bürokratie Spaß macht

Bürokratische Langeweile, für den Spieler aber amüsant: Der Spieler ist bei „Papers, Please“ Kontrolleur an einem Grenzübergang des totalitären Staates Arstotzka.
Bürokratische Langeweile, für den Spieler aber amüsant: Der Spieler ist bei „Papers, Please“ Kontrolleur an einem Grenzübergang des totalitären Staates Arstotzka.

Dass Spiele nicht nur Spaß machen, sondern dabei auch noch bilden können, zeigen gleich zwei Neuerscheinungen zu Beginn des Jahres. Aber auch Action und Spaß kommen nicht zu kurz.

shz.de von
19. Januar 2015, 09:41 Uhr

Selten sorgte ein Spiel für so viel einhellige Begeisterung in der Presse wie „Papers, Please“. 2013 konnte das Spiel von Entwickler Lucas Pope dutzende Preise einheimsen. Dabei verspricht „Papers, Please“ erst einmal bürokratische Langeweile. Der Spieler ist Kontrolleur an einem Grenzübergang des totalitären Staates Arstotzka. Täglich überprüft er die Dokumente der Einreisenden auf Unstimmigkeiten, lässt Menschen passieren, weist andere ab oder lässt sie verhaften, während er in ihre ängstlichen Gesichter blickt. Willkürlich ändert der Staat jeden Tag die Einreisebedingungen und schraubt das Arbeitspensum nach oben, während den Spieler gleichzeitig schreckliche Nachrichten aus dem Nachbarland erreichen. Es gibt Ermessensspielraum, doch zu großzügig darf er bei der Grenzkontrolle nicht werden, denn auch er wird beobachtet. Fehler führen zu Lohnabzügen oder der eigenen Verhaftung – daheim wartet die Familie auf Nahrung und Miete. „Papers, Please“ ist kein Spiel zur Erheiterung nebenbei. Es konfrontiert mit unangenehmen Situationen, zwingt dazu, Menschen auf ihre Dokumente zu reduzieren, und erteilt so Lektionen in Menschlichkeit. Der Spieler kann einem Automaten gleich die Anweisungen befolgen und Karriere machen, oder er zeigt Mitgefühl und gerät selbst ins Visier der Obrigkeit. Ein Spiel, das für 6,99 Euro nun auch für das iPad erhältlich ist.

„Utopolis – Aufbruch der Tiere“ hat ebenfalls einen realen Hintergrund. Das Spiel der Nemetschek Stiftung soll Kindern spielerisch Wissen über Politik und Herrschaftssysteme vermitteln. Dazu schlüpfen sie in die Rollen von Tieren, die ihren bedrohten Wald retten wollen. Bei bis zu 25 Mitspielern ist das nicht einfach. Vorgaben soll es dabei nicht geben. Die Spieler entscheiden in jeder Runde, wie mit Ressourcen umgegangen wird, welche Gesetze helfen könnten und wie mit kriminellen Tieren verfahren wird. Die Kinder sollen selbst herausfinden, wie sie am besten ihr gemeinsames Ziel erreichen und dabei ein Gefühl für Politik entwickeln. Die Demokratiesimulation ist ab Januar für Android und iOS verfügbar.

Etwas überraschend ist „Tales of the Borderlands: Episode One“ von Telltale Games nun ein Adventure. Die Spezialisten von Telltale setzen dabei auf ihre Stärken: Simple Rätsel, starke Geschichte, viele Dialoge und noch viel mehr Humor. Haben Spieler bislang auf die verrückten Einwohner vornehmlich geschossen, müssen sie nun mit Cleverness die Figuren Rhys und Fiona ans Ziel ihrer Schatzsuche bringen. Der erste Teil des Spiels ist für iOS erschienen und kostet 4,49 Euro. Die weiteren Episoden sowie eine Umsetzung für Android sollen folgen.

„Resogun“ war eines der Spiele zum Start der Playstation 4 - manche sagen, es war das beste Spiel. Daher überrascht es auch nicht, dass der Shooter über das Playstation Network nun auch auf der Vita erschienen ist. Das Shoot 'em up kehrt zu den simplen Wurzeln der Videospielgeschichte zurück: Ein Raumschiff, viele Gegner. Diese simplen Zutaten werden mit schicker Grafik, spektakulären Effekten und einem motivierenden Gameplay geschickt verrührt. Die Jagd nach dem Highscore wird schnell zur Sucht. Die Vita kann mit den Horden von Gegnern auf dem Screen zum Glück gut umgehen. Im Playstation Network kostet „Resogun“ derzeit 12,99 Euro und kann dank Crossbuy Feature beim einmaligen Kauf auch auf PS4 und PS3 gespielt werden. Disney schickt mit „Baymax“ den nächsten Animationsfilm in die Kinos, und die Brieftaschen vieler Eltern zittern schon vor der zu erwartenden Flut an Merchandise. Natürlich befindet sich darunter auch eine Videospielumsetzung: „Disneys Baymax - Kampf in der Bucht“ für den 3DS soll die Leinwandaction rund um flotte Teenager und ihre Roboterfreunde auf den kleinen Bildschirm bringen. Dabei herausgekommen ist ein simples Prügelspiel, bei dem der Spieler als einer der Helden aus dem Film Scharen von Gegnern beseitigen darf. Dabei sticht das Spiel in keinem Aspekt hervor und reiht sich in die lange Geschichte durchschnittlicher Filmspiele ein. Wer dennoch einen Blick riskieren möchte, muss etwa 30 Euro investieren.

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