Dreyklufts Netzwelt : Meine persönliche Filterblase

Ich lese immer dasselbe aus denselben Quellen. Das ist wunderbar. Und so schrecklich. Ein Erlebnisbericht.

von
21. Juli 2015, 16:14 Uhr

Folgender Satz ist nicht von mir. Aber er ist wahr. „Alles, was ich wissen muss, erreicht mich. Ich muss danach nicht suchen.“ Leider. Denn seit einiger Zeit beobachte ich ein Phänomen, unter dem ich inzwischen leide: meine persönliche Filterblase.
Jeden Tag blättere ich durch die gleichen drei bis vier Zeitungen. Ich schaue täglich auf ungefähr ein halbes Dutzend Websites. Das ist der Teil, den ich noch als ganz angenehm empfinde. Denn hier besteht zumindest eine Chance, dass mir ein Thema, eine Idee, eine Meinung begegnet, auf die ich sonst nicht gekommen wäre.

Dann kommt Twitter. Hier stoße ich überwiegend auf Menschen, denen ich bewusst folge. Meistens sind das solche, da mache ich mir nichts vor, denen ich irgendwie nahestehe. Eine Erweiterung der Filterblase bieten Retweets. Aber auch hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn die, die ähnlich ticken wie ich, schicken mir selten Ideen, die für mich gleichermaßen abwegig wie inspirierend sind.

Facebook, eine ganz schlimme Filterblase. Hier achte ich sogar darauf, „Freund“ von Leuten zu sein, die ich eigentlich unsäglich finde, etwa Matthias Matussek – damit mein Kopf sich einmal am Tag beweisen kann, dass er noch rund ist.
Ganz süßes Gift: Google Now. Hier schlägt mir Google ständig Dinge vor, die mich besonders interessieren. Ich mag das. Und brate ständig im eigenen Ideensaft.

Ein lieber Freund von mir macht sich die Mühe, mir Dinge zu schicken, von denen er weiß, dass ich sie innerhalb meiner Filterblase nie entdecken würde. Ich habe den Luxus eines persönlichen Filterblasen-Kümmerers.
Und was machen Sie gegen Ihre persönliche Filterblase? Schreiben Sie mir unter jod@shz.de. Auch dann, wenn Sie sagen: Meine Filterblase stört mich nicht. Mich interessiert, warum.

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