Flugwirt der Bakterien : Mächtig Kot am Flügel: Hausfliegen als Krankheitserreger unterschätzt

Hausfliegen auf Pferdeäpfeln.

Hausfliegen auf Pferdeäpfeln.

Fliegen verleihen Bakterien Flügel. Bei einer Untersuchung wurden hunderte Erreger, darunter auch gefährliche, gefunden.

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27. November 2017, 16:40 Uhr

Erst wühlen sie im Hundehaufen, dann machen sie sich als erste am Kadaver zu schaffen, anschließend kommen sie mit lästigem Summen ins Haus, sie ringen hartnäckig um das Vordringen in die menschliche Haut und hinterlassen überdies kaum zu entfernende Kotflecken an Dielen und Decken, noch dazu Eier: Hausfliegen sind so ziemlich das Letzte, was das Landleben so zu bieten hat. Mach Anrainer eines Schweinestalls oder Besucher eines Stadtparks kann sich freuen, dass es Winter wird, denn die Wahrheit über Fliegendreck und die Hygiene des Fliegenklaschers auf der Sofalehne ist ernster als bisher angenommen.

In der Natur ist die Übertragung von Mikroorganismen auf Wirte ein allgegenwärtiges Grundprinzip. Welche Mikrobiome Hausfliegen zum Menschen transportieren, das wollten Forscher der Penn State University wissen. Um die Frage zu klären, untersuchten sie 116 Haus- und Schmeißfliegen und ihre Körperteile auf drei Kontinenten genau. Das im Fachjournal „Nature“ veröffentlichte Ergebnis zeigt erhebliche Fäkalspuren vor allem an Flügeln und Beinen mitsamt eine riesigen Anzahl verschiedenster Bakterien. Fliegen, meinen die Forscher nun, haben ein wesentlich größeres Potenzial, Krankheiten oder gar Epidemien zu übertragen als man bisher dachte.

„Wir glauben, dass es hier einige Mechanismen bei der Übertragung von pathogenen Bakterien gibt, von denen Mediziner nichts gewusst haben“, sagt einer der Co-Autoren des Artikels, der Professor für Biochemie Donald Bryant. Die Studie gebe neue Erkenntnisse über die Ausbreitung von Erregern bei einem Krankheitsausbruch, erklärte Bryant. Die schmutzigsten Fliegen wurden bei der Untersuchung in Großstädten gefunden. Dort sorgen Kanalisationen, öffentliche Toiletten und die große Populationsdichte für beste Verbreitungsstrukturen.

Einige der untersuchten Fliegen hatten gleich mehrere Hundert verschiedene Bakterien am Körper. Und viele davon sind auch für Menschen schädlich. Die starke Konzentration der Bakterien auf Flügeln und an Beinen deute darauf hin, dass Bakterien Fliegen als Luftboten verwenden, erklärte Stephen Schuster, einer der Co-Autoren, bei der Vorstellung des Forschungsartikels. Man werde nun vermutlich darüber nachdenken, seinen Kartoffelsalat in Zukunft vielleicht besser nicht im Stadtpark, sondern irgendwo im Wald zu essen, merkte Bryant an.

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