Nagars Netzwelt : Live ist live

Schlammwüste statt Zeltstadt: Camping in Wacken ist immer etwas Besonderes.
Mittendrin statt nur dabei: Auch für sportferne Events wie das Wacken Open Air können Liveblogs eine spannende Darstellungsform sein.

Liveblogs und Ticker sind für viele Leser nur im Bereich Sport interessant. Doch warum eigentlich?

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31. Juli 2015, 03:00 Uhr

Wenn wir auf der Onlineseite einen Liveticker – so wie zur Zeit aus Wacken – anbieten, sind auch immer ein paar Moserkommentare von Lesern dabei, die den Sinn des Stakkato-Geschreibsels infrage stellen. Warum live berichten, wenn man sich am Ende des Tages satt und zufrieden mit einem von vorn bis hinten durchgeplanten Bericht oder einer stimmungsvollen Reportage zurücklehnen kann? Was soll diese chronologische Impressions-Kette?

So wirklich beliebt sind Ticker nur im Bereich Sport. Hier will man sofort erfahren, wenn ein Tor gefallen ist – auch wenn man keine Gelegenheit hat, die Übertragung zu verfolgen.

Nun mag es am Ende des Tages egal sein, wann wer in Wacken in einer Schlammpfütze ausgerutscht ist und auf welcher Bühne gerade das Equipment gequält wird. Und sicher wird es seinen eigenen Reiz haben, sich am Montag in aller Ruhe die Highlights des Festivals in der Zeitung durchzulesen. Doch ein Liveblog hat etwas Ungeschliffenes, Rohes. Auch wenn man sich noch so sehr um einen roten Faden bemüht – es ist nur bedingt steuerbar, was alles passiert. Es ist eben live. Auch der Autor sitzt nicht satt und zufrieden am Schreibtisch, sondern klamm, dreckig und verspannt irgendwo mitten im Lärm. Es ist so wie mit guter Musik: Von CD gibt es die bestmögliche Performance, super abgemischt und ohne Patzer. Das ist wundervoll zu hören. Aber live ist irgendwie doch näher dran.
 

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