Museen im Netz : Kunstwerke auf Abruf

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Ein „Leckermachen“ statt Konkurrenz: Über das Internet können Museen dem Publikum ganz neue Einblicke in die Kunst bieten.

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03. Januar 2015, 08:00 Uhr

Hamburg/Flensburg | Ein ganzes Museum in der Tasche haben – der Werbespruch für die App des New Yorker Museum of Modern Art (Moma) klingt praktisch. Aber auch eher nach einem gemütlichen Nachmittag auf dem heimischen Sofa als nach einem Besuch im Museum. Doch das eine schließt das andere nicht aus – im Gegenteil: „Die Aura des Originals und die Größenverhältnisse sind im Netz nicht zu erfassen“, sagt Dorothee Bieske vom Museumsberg Flensburg. „Das ist eher ein Leckermachen auf die Schätze, die wir hier haben.“ Eine App haben die Flensburger konkret zwar noch nicht in Arbeit, doch darüber nachgedacht werde bereits: „Ich fände das toll“, sagt Bieske.

Dass eine App eine gute Begleitung zu einer Ausstellung sein kann, hat das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg im vergangenen Jahr machen können: Gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Theater habe man zur Sonderausstellung „Aus der Seele muss man spielen...“ zum 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach eine App entwickelt und zum kostenlosen Download bereitgestellt. In einem Audio- und Videoguide können sich Besucher anhören, wie die ausgestellten Musikinstrumente klingen. In Musikfilmen spielen junge Musiker Werke des „Hamburger Bach“ und seiner Zeitgenossen – auf den historische Instrumenten, die teilweise Jahrzehnte nicht gespielt wurden. Auch für künftige Ausstellungen sei ein solches digitales Zusatzangebot zur Ausstellung durchaus denkbar, stellt MKG-Sprecher Tom Koltermann in Aussicht.

Für den Flensburger Museumsberg haben Tagesgeschäft und die Digitalisierung der Archivbestände noch Vorrang vor einer App. Bei rund 30.000 zu archivierenden Objekten ein langfristiges Projekt. Irgendwann sollen jedoch alle Stücke ihren Weg ins Netz finden: „Wir selbst wollen unsere Gegenstände ja auch finden können.“

Dass der Plan des „Leckermachens“ aufgeht, kann Guido Wendt bestätigen: Besucher kämen auf den Parkplatz, stellten ihr Auto ab und zückten ihr Smartphone, um den Rundgang durch das Museum zu planen, erklärt der Geschäftsführer der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. „Da müssen wir gleich mit einer knackigen, guten Info aufwarten können – dann hat man den Besucher in der Ausstellung. ,Mir reicht das’ sagt keiner.“ – im Gegenteil: „Die Besucher wollen das dann auch live sehen.“ Statt der Planung einer App setze man jedoch vorerst auf Unterseiten der museumseigenen Homepage – sogenannte Microsites – für bestimmte Ausstellungen wie den „Gottorfer Codex“ oder „Von Degen, Segeln und Kanonen“. „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Beide Infoquellen – der Online-Auftritt und die Ausstellung – hätten das Angebot erst richtig rund gemacht, sagt Wendt. Neben dem Erlebnis im Museum böte das virtuelle Angebot dann weitere Hintergrundinformationen. In diesem Jahr solle der Internetauftritt der Gottorfer Landesmuseen einem Relaunch unterzogen und damit interaktiver und für mobile Geräte kompatibel gestaltet werden.

Internationale Beispiele für das Bereitstellen von Kunst im Netz gibt es bereits einige: Neben dem Moma ergänzt beispielsweise auch das Museum of London sein Ausstellungsangebot durch Apps. Besucher können ihre Vorfreude auf die Ausstellungen mit Rätseln unterstreichen oder dem Besuch mit einer Fotomontage in der App die Krone aufsetzen und das Produkt mit ihren Freunden teilen.

Eine andere Art der Inszenierung zeigt das Google Art Project auf. Seit 2011 bekommen Nutzer hier Zugang zu Hunderten von Kunstwerken in hoher Auflösung, können kleinste Details heranzoomen und Hintergrundinformationen zu den Werken erfahren. Mittlerweile beteiligen sich rund 400 Museen und Galerien aus aller Welt an dem Portal des US-Konzerns und stellen ausgewählte Werke kostenlos ins Netz. „Die neuen Medien bieten einen Strauß voller Möglichkeiten“, sagt Wendt. „Welche Blumen zu uns konkret mal passen, muss sich zeigen.“

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