Dirks Netzwelt : Kinderfotos im Internet?

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Neue Technik ist verlockend, digitale Fotos schnell gemacht – doch nicht jeder Schnappschuss gehört ins Netz.

shz.de von
17. Januar 2015, 06:30 Uhr

In der Netzwelt vom vergangenen Samstag hat Kollege Voß erklärt, wie das Internet dabei helfen kann, einige der neuen Weihnachtsgeschenke richtig zu benutzen. Der Text kam goldrichtig, denn Bei uns lag eine Spiegelreflexkamera unter dem Gabentisch, quasi als Geschenk von der Familie an die Familie. Und die erste Woche des Jahres wurde dazu genutzt, die vielen Rädchen und Knöpfe daran zu verstehen.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Ob‘s nun am Bediener liegt, weiß man nicht. Vielleicht ist es ist schlicht das Motiv: Der kleine Dirks ist nun knapp über zwei, hat nur Unsinn um Kopf - und ist damit im besten Slapstick-Alter. Jeder Schuss ein Volltreffer.  Außerdem hat die Kamera einen Video-Modus. Sie kennen das vielleicht.

Die ersten 500 Fotos sind schnell gemacht. Was nun? Klar: Die sozialen Netzwerke warten nur auf den kleinen Dirks in Aktion. Die Anzahl der „Likes“ wird sicher dreistellig! dutzende „Awwww!“-Kommentare erscheinen vor meinem geistigen Auge.

Kurzes Innehalten: Hier hilft auch im Neujahrsurlaub die Erinnerung an Fälle, die nach dem Urlaub auf dem Schreibtisch warten. In denen vermeintlich harmlose Fotos kleiner Kinder aus sozialen Netzwerken auf ganz anderen Seiten landen. In denen Fotos kleiner Kinder von Dritten als Profilfotos benutzt werden. In denen Erwachsene versuchen, Bilder, die sie selbst als Dreikäsehochs zeigen, aus dem Netz zu bekommen. Oftmals erfolglos. Und schließlich: Was wird der in ein paar Jahren gar nicht mehr ganz so kleine Dirks sagen, wenn er die sozialen Netzwerke voller Babyfotos findet?

Klar: Die Verlockung für Eltern ist riesig und der Gruppendruck auch. Das kennt nur zu gut, wer versucht, den Kindergarten für Datenschutz bei Bildaufnahmen zu sensibilisieren. Elternabende können so zum Spießrutenlauf werden.  Aber: Was einmal im Netz ist bleibt drin – und ist nicht mehr zu kontrollieren, diese Binsenweisheit stimmt leider, und sie führt zu meinem einzigen guten Vorsatz: Auch in 2015 keine Kinderfotos in sozialen Netzwerken zu posten. Niemals.

> Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Kiel und bloggt unter www.dirks.legal

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