Flensburg : Jugend programmiert: Wetterstation zum Basteln

Programmieren für Einsteiger: Samuel Brinkmann (l.) und Thorben Grodon hoffen auf Unterstützung per „Crowdfunding“.
Programmieren für Einsteiger: Samuel Brinkmann (l.) und Thorben Grodon hoffen auf Unterstützung per „Crowdfunding“.

Eine Handvoll Plastik und Draht: Ein „Starter-Kit“ soll Programmier-Anfänger für die Welt der Technik begeistern.

shz.de von
17. Mai 2015, 11:32 Uhr

Flensburg  | Bunte Kabel, ein Display, LED-Leuchten, Sensoren und eine Platte, auf die die Elemente gesteckt werden können – das Ganze im handlichen Taschenformat. Was bei manchen unangenehme Erinnerungen an den Stromkreis aus dem Physikunterricht hervorruft, soll Programmier-Anfänger für die Welt der Technik begeistern. So die Idee von Samuel Brinkmann (18 Jahre) und Thorben Grodon (19 Jahre) aus Flensburg. Die beiden wollen ein „Starter-Kit“, ein Anfänger-Paket, auf den Markt bringen. Finanziert werden soll die Idee per Crowdfunding.

Mit einer Handvoll Plastik und Draht planen die Flensburger, die Welt ein Stück zu verändern. „Man nutzt jeden Tag das Handy, weiß aber nicht wie es funktioniert“, erklärt Thorben. Es gehe nicht darum, alles selbst reparieren zu können, wohl aber ein Gefühl dafür zu entwickeln, was zu tun ist, wenn Probleme auftauchen. „Für viele Probleme im Alltag gibt es eine Lösung“,  sagt Thorben. Außerdem bleibt Platz für die Faszination an der Technik: „Wenn man daran arbeitet, bekommt man ein Verständnis davon, was alles möglich ist, wie viel Macht in solchen Geräten steckt“, sagt Samuel.

Entstanden ist die Idee aus einem Schulprojekt. Die Zwölftklässler der Fridtjof-Nansen-Schule, damals noch zu dritt, entwickelten für ihre Arbeit ein Konzept, das in einem Workshop für jüngere Schüler gipfelte. Ein Wochenende lang führten sie die Interessierten an das Programmieren heran, ließen sie kleine Wetterstationen bauen, die nun funktionstüchtig an mehreren Orten ihren Dienst tun.

Doch nach dem Projekt ist für die beiden Schüler vor dem Projekt: Auf eigene Faust entwickelten sie die Idee weiter. Ihr Ziel: Möglichst vielen Menschen einen leichten Zugang zu den Geheimnissen des Programmierens zu bieten. „Wir wollen die Leute abholen“, sagen sie und bemängeln die trockene und sperrige Aufbereitung von Lehrmaterialien zu dem Thema. „Man kann das besser verkaufen, in leichterer Sprache, witziger“, so Samuel und appelliert an den Spiel- und Entdeckertrieb, der in jedem steckt: „Wir wollen das Lego des Programmierens werden.“

In dieser Woche startete die Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ in Deutschland – Samuel und Thorben sind mit dabei. „Wir haben lange auf diesen Tag hingearbeitet, ganze Wochenenden damit verbracht“, sagt Samuel. Bis zum 12. Juni sollen nun 3000 Euro zusammenkommen – von Unterstützern oder solchen, die selbst Programmiererfahrung sammeln möchten. Als Gegenleistung erhalten Investoren je nach Betrag kleinere Aufmerksamkeiten oder eines von 250 Starter-Kits. Darin enthalten ist alles, was man für die eigene Wetterstation oder das selbst programmierte Spiel braucht. Nur der kleine Computer, der Raspberry Pi, ist nicht dabei. Das wäre für einen Preis ab 35 Euro nicht finanzierbar. Für Geldgeber gebe es aber keine Risiken, wie Samuel betont: „Kommt die Summe nicht zusammen, bekommt jeder sein Geld zurück.“ Davon bezahlt werden muss beispielsweise das Lektorat sowie das Design des beigelegten Lernheftes, die weiteren Materialien oder die Verpackung.

Die beiden Flensburger halten Crowdfundig für eine gute Chance, mit ihrem Produkt durchzustarten: „Dadurch steigt der Wert des Projektes“, erklärt Samuel. Man könne besseres Material an die Leute bringen. Und Qualität sei wichtig, wenn sich die Idee etablieren soll. So wollen die beiden ihr Projekt weiter entwickeln, an Händler herantragen, den Bekanntheitsgrad steigern und besonders gern im Schulunterricht eingesetzt sehen. Doch warum ist programmieren lernen so wichtig? „Wir brauchen genügend Leute, die die Technik beherrschen“ , sagt Samuel. „Sonst beherrscht die Technik uns.“

Hier geht’s zum Kickstarter-Projekt: www.jpkit.eu, Jugend programmiert auf Twitter: @jprogrammiert
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