„internet.org“ : Internet für alle? Facebook stellt Internet-Drohne „Aquila“ vor

Facebook hat die erste Version seines unbemannten Fluggeräts vorgestellt.
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Facebook hat die erste Version seines unbemannten Fluggeräts vorgestellt.

Facebooks ambitioniertes Internet-Projekt wurde als „Poor Internet for Poor People“ kritisiert. Doch das Team um Zuckerberg ließ sich nicht beirren. Die erste Drohne wurde am Donnerstag vorgestellt.

shz.de von
31. Juli 2015, 15:20 Uhr

Menlo Park | Facebook hat seine erste Drohne präsentiert, die Internet in entlegene Gebiete bringen soll. Das unbemannte Fluggerät mit dem Namen „Aquila“ habe die Spannweite einer Boeing 737, erklärte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am späten Donnerstag. Die solarbetriebene Drohne wiege weniger als ein Auto und könne bis zu drei Monate in der Luft bleiben. Außerdem entwickelte Facebook einen Laser, der Daten mit einer Geschwindigkeit von 10 Gigabit pro Sekunde übertragen könne. Das System sei so präzise, dass es die Verbindung zu einem Ziel in der Größe einer 10-Cent-Münze auf eine Entfernung von mehr als zehn Meilen (gut 16 Kilometer) halten könne.

Das weltgrößte Online-Netzwerk mit rund 1,5 Milliarden Mitgliedern verfolgt schon lange das Projekt, Internet aus der Luft in Gebiete mit schwacher Infrastruktur zu bringen. Doch die von Mark Zuckerberg ins Leben gerufene Initiative „internet.org“ stößt auf viel Gegenwind – vor allem in Indien, dem potenziell wichtigen Markt. Kritisiert wurde beispielsweise die Tatsache, dass die wenigen kostenlos angebotenen Seiten handverlesen und stets im Dunstkreis von Facebook verortet sein sollten. Dies sei „Poor Internet for Poor People“ (armseliges Internet für arme Leute) prangerte der indische Internet-Investor Mahesh Murthy auf er Wirtschafts-Website „Quartz“ an. Facebook kündigte daraufhin an, dass die Plattform für alle Web-Dienste offenstehen solle.


Um Internet auch in entlegene Regionen zu bringen, kaufte Facebook im vergangenen Jahr den britischen Drohnen-Entwickler Ascenta. Google setzt in einem ähnlichen Projekt ebenfalls auf Drohnen - aber auch auf riesige Ballons mit Antennen. Hunderte Millionen neue Internet-Nutzer dürften auch den Online-Riesen mehr Geschäft bringen.

Google kaufte für sein Drohnen-Programm den Hersteller Titan Aerospace, an dem laut Medienberichten auch Facebook interessiert gewesen sein soll. Der Internet-Konzern testet seine Fluggeräte bereits. Anfang Mai stürzte ein Modell seiner Drohne „Solara 50“ kurz nach dem Start im Bundesstaat New Mexico ab. Googles Loon-Ballons schaut sich gerade Sri Lanka als mögliches System für die Internet-Versorgung an.

Facebooks „Aquila“-Drohne, die an einen gigantischen schmalen Boomerang erinnert, soll in Höhen zwischen etwa 18.000 und 28.000 Metern fliegen - also weit über den Verkehrsflugzeugen. In die Luft werde sie von einem Helium-Ballon gebracht, von dem sie sich dann abkoppele, berichtete das Technologie-Blog „Mashable“ aus einer Präsentation bei Facebook.

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