Studie : Hohe Mikroplastik-Konzentrationen um die Osterinsel

Plastikteilchen aus dem Magen eines Weihnachts-Sturmtauchers (Puffinus nativitatis), der tot auf der Pazifikinsel Salas y Gómez gefunden wurde. /Universidad Católica del Norte
Plastikteilchen aus dem Magen eines Weihnachts-Sturmtauchers (Puffinus nativitatis), der tot auf der Pazifikinsel Salas y Gómez gefunden wurde. /Universidad Católica del Norte

Plastikmüll durchdringt inzwischen die entlegensten Meeresregionen: Um die Osterinsel im Südpazifik erforschten deutsch-chilenische Forscher die Belastung mit Plastik. Fast 100 Tierarten sind betroffen. «Das Müllproblem im Ozean ist global», mahnt das Team.

shz.de von
13. August 2018, 13:52 Uhr

Die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll betrifft einer deutsch-chilenischen Studie zufolge inzwischen selbst die entlegensten Regionen der Erde.

«Besonders hohe Mikroplastik-Konzentrationen haben wir rund um die Osterinsel und in bis 2000 Kilometern Entfernung vor der chilenischen Küste gefunden», erläutert Hauptautor Martin Thiel von der Universidad Católica del Norte in Coquimbo in Chile. Die Osterinsel liegt im Südpazifik, Tausende Kilometer von Südamerika und Australien entfernt.

In der Fachzeitschrift «Frontiers in Marine Science» dokumentieren die Wissenschaftler, darunter Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, das Ausmaß der Verschmutzung und den Einfluss auf das marine Ökosystem. Bei 97 verschiedenen Arten habe man Kontakt mit Plastikmüll nachgewiesen - die Tiere waren entweder in dem Abfall verheddert oder hatten Plastik mit der Nahrung aufgenommen. Dies betraf unter anderem 20 Fischarten, 53 Seevögel-Spezies, 19 verschiedene Meeressäuger und 5 Arten von Meeresschildkröten.

«In den Mägen finden sich alle möglichen Plastikfragmente, zum Teil in erschreckend hoher Konzentration», berichtet Ko-Autor Nicolas Ory vom Geomar. Diese Plastikteile beeinträchtigten oder schwächten die Lebewesen und könnten langfristig die Sterblichkeitsquote erhöhen. Maßnahmen zur Reduzierung des Plastikmülls seien dringend geboten, mahnt das Team.

Die Forscher nahmen und analysierten Wasserproben auf mehreren Expeditionen im Südpazifik zwischen der Osterinsel und dem südamerikanischen Festland. Außerdem werteten sie Berichte über marine Organismen aus, die sich in größeren Plastikteilen wie beispielsweise alten Fischernetzen verfangen hatten.

«Das kommt häufiger in den küstennahen, stark befischten Regionen des Humboldtstroms vor, während wir im offenen Ozean eher sehen, dass Organismen kleinere Plastikteile verschlucken», betont Thiel. Die Studie zeige sehr deutlich, dass sich die Partikel im Bereich der subtropischen Wirbel konzentrieren, erläutert der deutsche Meeresbiologe, der seit vielen Jahren in Chile lebt und sich gegen die Verschmutzung der Ozeane engagiert.

«Dies sind keine guten Nachrichten», resümierte Thiel. «Das Müllproblem im Ozean ist global.» Die Studie bestätige auch Mikroplastik-Messungen während der kürzlich zu Ende gegangenen weltweiten Segelregatta Volvo Ocean Race, die Mitarbeiter des Geomar initiiert hatten.

So war sogar am Point Nemo im Südpazifik - jene Stelle, die weltweit am weitesten vom nächsten Land entfernt ist - Mikroplastik im Meerwasser. Das Geomar und das Kieler Exzellenzcluster «Ozean der Zukunft» hatten zwei Jachten für die Regatta mit Sensoren ausgestattet. Die Mikroplastik-Konzentrationen seien regional sehr unterschiedlich, sagt Sören Gutekunst vom Exzellenzcluster «Ozean der Zukunft», der das Geomar-Projekt technisch betreut hatte. Die höchsten Konzentrationen fanden sich demnach entlang der Regattastrecke im Mittelmeer und im westlichen Pazifik.

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