Maas’ Netzwelt : Handgeschrieben auf dem iPhone

Mit der Hand schreiben - oder auf dem iPhone? Jetzt geht beides.

Mit der Hand schreiben - oder auf dem iPhone? Jetzt geht beides.

Unsere Kolumnistin tippt viel und schreibt wenig. Apple entdeckt handschriftliche Nachrichten.

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10. Januar 2017, 09:32 Uhr

Eigentlich mag ich Handschrift. Zwar nicht zwingend meine, wenn ich versuche, möglichst schnell möglichst viele Informationen mitzuschreiben – dann erkenne ich selbst meistens schon 24 Stunden später nur noch 20 Prozent der Wörter. Aber einen Post-It mit einem „Danke“ oder einem Gruß finde ich schön. Meine Patenkinder lernen gerade schreiben – und ich behandle jede einzelne Postkarte mit etwas ungelenken Buchstaben wie einen wertvollen Schatz. Abgesehen davon spielen Handschriften keine große Rolle mehr in meinem Leben – dafür tippe ich täglich stundenlang auf Tastaturen herum.

Dabei ist schreiben, kritzeln, zeichnen offenbar ein tief sitzendes Bedürfnis des Menschen. Es gibt eine wahre Flut an Online-Seminaren, in denen man kunstvolle Handschriften lernen kann. Nicht umsonst kann man bei Snapchat seit jeher und inzwischen auch bei Instagram seine Fotos mit selbstgeschriebenen Zeichen versehen. Weil man mit dem Finger über ein Display fährt und Snapchat ja die Imperfektion und Vergänglichkeit des Lebens feiert, ähneln diese Botschaften oft den Schreibversuchen der Erstklässlerin in meiner Familie.

Jetzt kommen auch iPhone-Nutzer in den Genuss der handschriftlichen Note – und zwar in den iMessages: Mit der Software iOS 10 rollt Apple das Feature, das zuerst nur auf der Apple Watch vorgesehen war, für alle Geräte aus. Die schnelle Kommunikation wird so persönlicher – und die persönliche schneller. Ein Brief von Flensburg nach NRW kann schließlich schon mal drei Tage brauchen. Ziemlich viel Zeit für eine ungeduldige Erstklässlerin.

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