150 Jahre in Haselünne : Gründer von Mode Wübben mit Pferdewagen und Opel Laubfrosch unterwegs

Markant waren die schwarzen Fliesen am Eingang von Mode Wübben in der Hasestraße in Haselünne. Foto: Wübben
Markant waren die schwarzen Fliesen am Eingang von Mode Wübben in der Hasestraße in Haselünne. Foto: Wübben

1869, Neustadtstraße in Haselünne. Johann-Heinrich Wübben ist einer jener Händler, die von hier täglich mit Pferd und Wagen starten, um über Land zu fahren und Waren an den Mann zu bringen. Als „Geld“ hierfür bekommt er von der Kundschaft häufig Naturalien wie Flachs und Wolle. Eine Idee entspinnt sich.

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22. Oktober 2019, 07:55 Uhr

Haselünne | Wübben räumt in seinem Haus ein Zimmer frei, gestaltet als zweites Standbein neben seinem Reisegeschäft, das ihn zum Beispiel nach Börger, Löningen, Ankum, Grafeld, Berßen und Sögel führte, ein kleines Ladenlokal. In dem bot er Textilien an, die aus seiner von den Fahrten mitgebrachten Wolle in den Spinnereien entstanden.

Greta und Adolf Wübben. Repro: Carola Alge
Greta und Adolf Wübben. Repro: Carola Alge


Das Geschäft lief. Bereits 1881 waren die Geschäftsräume zu klein geworden. Wübben erwarb das einem Herrn Voßkuhl in Freren gehörende Haus in der Hasestraße 24, das vorher eine Zeit lang als Schwestern- und Krankenhaus diente. Der neue Eigentümer erweiterte das Sortiment, bot zeitweilig ebenfalls Fahrräder und Nähmaschinen an.

Repro: Wübben
Repro: Wübben


Sohn Adolf fand Gefallen an dem, was sein Vater aufgebaut hatte. Gemeinsam mit seiner Frau führte er den Geschäftsbetrieb weiter. Da er einen ausgezeichneten Ruf hatte und bei der Landbevölkerung hohes Ansehen genoss, konnte der junge Unternehmer den Geschäftsbetrieb weiter ausbauen. Wie der Vater fuhr Adolf Wübben zweigleisig. Er betrieb das Ladenlokal und fuhr über Land. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs brachte er seine Waren mit einem Opel Laubfrosch in die Haushalte.

Dorothea und Adolf Rülander. Repro: Carola Alge
Dorothea und Adolf Rülander. Repro: Carola Alge


Auch Adolf und Greta Wübbens Tochter Emma trat in den Familienbetrieb ein. In dritter Generation übernahm sie ihn zusammen mit ihrem aus einer Kaufmannsfamilie in Bremen-Vegesack stammenden Ehemann Adolf Rülander kurz vor dem Beginn des 2. Weltkriegs. Nach ihrem frühen Krebs-Tod führte der Witwer den Laden weiter. Das Reisegeschäft stellte er mehr und mehr ein und erweiterte die Geschäftsräume an der Hasestraße, um dem ständig zunehmenden Kundenverkehr gerecht zu werden und den Ansprüchen an ein modernes Ladengeschäft genügen zu können.

Repro: Carola Alge
Repro: Carola Alge


Den für längere Zeit letzten Umbau führte Rülander, der den Laden mit seiner Frau Dorothea betrieb, 1962 durch. Damals bekam das Haus seine Schaufensterfront mit markanten schwarzen Fliesen, die noch so manchem Haselünner in Erinnerung sein dürfte.

Martina und Thomas Rülander. Foto: Wübben
Martina und Thomas Rülander. Foto: Wübben


1974 verstarb Adolf Rülander. Seine Frau führte das Geschäft 18 Jahre allein weiter. Erst im Jahr 1992 fand sich mit ihrem Sohn Thomas Rülander ein Nachfolger aus der vierten Familiengeneration. Der frisch gebackene Absolvent der Betriebswissenschaften startete auf einer Fläche von 80 Quadratmetern und brachte mit vielen neuen Ideen frischen Wind in das Unternehmen.

Garten weicht Anbau

Sein Geschäftsmodell schlug trotz eines großen Textilangebots in Haselünne ein. Nach kleineren Renovierungsarbeiten im Geschäft musste 1996 der Garten in der Hasestraße weichen. Rülander ließ einen zweigeschossigen Anbau errichten, mit dem die Verkaufsfläche auf 250 Quadratmeter erweitert wurde. Gleichzeitig wurde die 1962 errichtete Schaufensterfront zurückgebaut. Die Fassade erhielt im Zuge der Stadtsanierung wieder ihre ursprüngliche Sandsteinfront. Die schwarzen Fliesen hatten damit ausgedient.

Foto: Carola Alge
Foto: Carola Alge


Thomas Rülander expandierte. 1999 eröffnete er in Lingen eine bis heute bestehende Filiale. Auch in Haselünne wuchs das Unternehmen. Die Verkaufsfläche an der Hasestraße wurde erneut zu klein; Platz für eine Erweiterung gab es nicht. Der Geschäftsinhaber sah sich nach einem neuen Standort um und fand ihn an der Plesse. In unmittelbarer Nähe zum Rathaus und innenstadtnah fand er ein geeignetes Areal. Dankbar ist er der Stadt Haselünne, dass sie „den Einzelhandel im Ganzen, aber auch mich immer unterstützt und die Bebauungspläne entsprechend geändert hat, um den Neubau an der Plesse zu ermöglichen“.

Foto: Carola Alge
Foto: Carola Alge


Im März 2007 war es so weit. Der erste Bauabschnitt mit einer Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern war abgeschlossen, das Modehaus eröffnete. Neben dem bereits bestehenden Angebot an Damenmode kam neue eine Herrenabteilung dazu. Das neue Konzept kam bei den Kunden an, das Angebot traf den Geschmack. Rülander entschloss sich, weiter auszubauen. 2014 wurde ein Anbau, den drei Giebel zieren, eröffnet.

Foto: Carola Alge
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Die Verkaufsfläche wuchs auf 2200 Quadratmeter. Sie bietet Platz im Erdgeschoss Platz für Damenmode von klassisch bis modern und die StyleZone mit junger Damen-Garderobe. Im Obergeschoss befindet sich ein breites Angebot für sogenannte Anschlussgrößen (ab Größe 46). „Es ist das größte seiner Art im Emsland“, sagt Rülander. Dazu kommen die Herrenabteilung sowie die StyleZone für Jungs und junge Männer. Eine Lounge-Zone mit kleinem Café lädt zum Verweilen ein.

Foto: Carola Alge
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Aktuell beschäftigt das Modehaus Wübben, das Thomas Rülander gemeinsam mit seiner Frau Martina führt und zu dem eine eigene Schneiderei gehört, 31 Mitarbeiter. Dass zu ihnen drei gehören, die 20 Jahre dem Unternehmen angehören, freut sich Rülander. „Es sind die Menschen, die ein Unternehmen prägen, und hier sehen wir besonders unsere Mitarbeiterinnen“.

Foto: Carola Alge
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„Zum Glück ist auch im Zeitalter des Internets die direkte Kundenbetreuung noch gefragt. Hierin liegt eindeutig unsere Stärke“ Thomas Rülander, Inhaber des Modehauses Wübben in Hasselünne


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In der Kundenbetreuung „durch unsere Kolleginnen“, wie der Inhaber seine Angestellten gern bezeichnet, sieht er einen Grund für den Erfolg seines Modehauses. „Zum Glück ist auch im Zeitalter des Internets die direkte Kundenbetreuung noch gefragt. Hierin liegt eindeutig unsere Stärke.“ Zudem ist ihm Wertschätzung der Kunden wichtig. Viele kennt er persönlich, begrüßt sie gerne mit Handschlag und setzt sich bei einer Tasse Kaffee zu ihnen.

Foto: Carola Alge
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Der weiteren Entwicklung der Mode und in der Stadt Haselünne sieht er mit Spannung entgegen. „Wir freuen uns, wenn unsere Konzepte angenommen werden und stellen uns gerne neuen Herausforderungen.“ So wie es einst, vor 150 Jahren, Johann-Heinrich Wübben tat.

Foto: Carola Alge
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