Nagars Netzwelt : Googles Traumkunst

Googles Traumlandschaft mit Pagodendächern.
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Googles Traumlandschaft mit Pagodendächern.

Bilderkennungssoftware wird immer „menschlicher“. Forscher von Google präsentieren traumartige Bilder.

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03. Juli 2015, 03:00 Uhr

Sie sehen aus, als würde man davon träumen, surrealistische Gemälde unter LSD-Einfluss zu betrachten. Oder wie diese Postkarten, auf denen nach minutenlangem Draufschielen ein Vogel in 3D und ein Augapfelkrampf herauskommen. Google zeigte kürzlich in seinem Blog, wie seine Programme Bilder interpretieren. Dabei macht die Software zur Bilderkennung bekannte Formen aus und verstärkt sie immer wieder. Die künstliche Intelligenz lernt immer weiter dazu und durchforstet Bilder nach ihrem Spezialgebiet. So sieht der Teil, der darauf getrimmt ist, Pagodendächer zu erkennen, selbst in Gebirgen oder Wüstenlandschaften Pagoden und verstärkt den Eindruck so lange, bis in dem Foto nur noch Pagodendächer zu sehen sind. Die Bilder sehen so bizarr aus, dass viele glaubten, Google „träume“ und die Bilder seien Kunst.

Traumhäuser von Google.
Google Reseach
Traumhäuser von Google.
 

Nun sollten sich mit der Frage, ob eine Ansammlung von Einsen und Nullen mit den Impulsen menschlicher Neuronen vergleichbar ist, lieber Neurologen und Informatiker beschäftigen. Eine menschliche Eigenschaft erkennt man in den künstlichen „Phantasien“ wieder: Sie suchen in allem genau das, was sie kennen. So wie die Menschen mit Vorliebe überall Gesichter hineininterpretieren – Mann im Mond, Autos, :-) – sieht Google eben Pagoden.

Doch einen Fehler macht die künstliche Intelligenz: Sie macht keine Fehler. Wer sich regelmäßig über Bugs ärgert, wird nicht zustimmen. Ich meine aber die „Fehler“, die das Menschliche sympathisch machen: Schusseligkeit, Schrulligkeit, Spieltrieb. Google sieht nicht deshalb Pagoden, weil es Fan asiatischer Architektur ist. Die Software arbeitet stumpf ab, was man hineinfüttert. Kunst ist das nicht, auch kein Traum. Auch wenn Wissenschaftler Computermodelle nutzen, um menschliches Denken besser zu verstehen, wird es immer den Punkt geben, an dem der Vergleich hinkt: Das Ich. Mit dem Bewusstsein seiner selbst und dem Hang, die eingetrichterten Informationen auch mal infrage zu stellen. Und der ist ein Feature, kein Bug.


Aus Blättern werden Vögel.
Google Research
Aus Blättern werden Vögel.
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