Maas’ Netzwelt : Google Glass und Moto 360: Smart, aber stillos

Die Datenbrille Google Glass gibt es noch nicht für jeden zu kaufen.
Die Datenbrille Google Glass gibt es noch nicht für jeden zu kaufen.

Die sogenannten Wearables sind zwar praktisch, aber optisch eher etwas für Nerds. Schick geht anders, findet unsere Kolumnistin Barbara Mass.

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31. März 2014, 13:09 Uhr

Mal ehrlich – würden Sie die Datenbrille Google Glass tragen? Ich nicht. E-Mails lesen, im Internet surfen, Bilder aufnehmen: Das ist alles ganz schön. Ich schwanke allerdings immer noch. Erinnert mich das Gerät eher an diese Schutzbrillen aus dem Chemie-Unterricht – nur ohne Gläser? Oder an die Lesehilfe des blinden „Enterprise“-Commanders Geordi La Forge? „Raumschiff Enterprise“ fand ich als Kind in den 90ern übrigens immer unglaubwürdig. Chemie habe ich gehasst.

Das sehen nicht alle so. Wer sich selbst an der Spitze der digitalen Bewegung fühlte oder fühlen wollte, ließ sich im vergangenen Jahr mit Google Glass ablichten. Nur sogenannte Explorer dürfen die Brille bisher nutzen. Das sind gerade ungefähr 10 000 Menschen. Als prominentester Deutscher präsentierte im März 2013 Bild-Chefredakteur Kai Diekmann im Silicon Valley seine Google-Brille. Für Normalos ist sie noch immer nicht erhältlich. Sollte ich neidisch sein? Bin ich nicht. Cool sieht nämlich anders aus.

Vielleicht hat das auch Google erkannt. Der Konzern hat den Verkaufsbeginn für den Massenmarkt mehrmals verschoben. In der vergangenen Woche kam dann die Nachricht: Google kooperiert mit dem italienischen Brillen-Hersteller Luxottica, zu dem auch die Marke Ray-Ban gehört. Das Gadget für den Technik-Nerd verbindet sich also mit dem Statussymbol für den Mode-Hipster. In einer dicken Hornbrille lassen sich Kamera und Bildschirm ja auch viel besser verstecken als an dem futuristischem Steg. Das könnte funktionieren. Muss es aber nicht.

Zur Sicherheit geht es bei den großen Unternehmen schon längst um andere „Wearables“ – vor allem in Armbanduhrenform. Google Glass soll irgendwann in diesem Jahr auf den Markt kommen, im Sommer soll die Motorola-Smartwatch Moto 360 mit Android Wear zu haben sein. Ein Kunststoffarmband und ein riesiges rundes Display, auf dem pixelige Zeiger ihre Runden drehen, lassen Schlimmes befürchten. Die Google-Uhr könnte das Brillenproblem bekommen. Tragbar ist auch sie streng genommen nur beim Joggen, in dunklen Räumen oder auf Tech-Kongressen. Die Uhr soll angeblich reagieren, wenn ich „OK, Google“ sage. „Beam me up“, fände ich als Sprachbefehl auch ganz passend. Und wenn das für den Erfolg nicht reicht, kommt bestimmt nächstes Jahr die Kooperation mit Rolex.

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