Henckes Netzwelt : Getarnter Mord im Rollenspiel

Ein Video bei Youtube zeigt den angeblichen Selbstmord.
Ein Video bei Youtube zeigt den angeblichen Selbstmord.

Ein Betrüger nervte die Spieler des Online-Spiels „Guild Wars 2“. Die Macher statuierten ein Exempel.

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18. Mai 2015, 10:21 Uhr

Ein Mann lässt seine Hüllen fallen, legt seine Waffen ab und springt winkend von einem Turm in den Tod. Was nach einem merkwürdigen Selbstmord klingt, ist die Reaktion der Firma „ArenaNet“ auf einen cheatenden – also betrügenden – Spieler im Online-Rollenspiel „Guild Wars 2“. Menschen, Riesen und andere Fabelwesen kämpfen darin gegen Drachen.

Nervig wurde es, als der Avatar (Spielfigur) eines Betrügers den Rest der fair spielenden Rollenspieler mit Cheats und Hacks zur Weißglut brachte. Unter dem Pseudonym „DarkSide“ richtete er in der Spielewelt massive Schäden an und tötete andere Avatare, die ihm über den Weg liefen. Die Spielergemeinde veröffentlichte Videos mit Sequenzen des Spielers und dokumentierte darin die unmöglichen Aktionen des Betrügers. Die Macher von „Guild Wars 2“, „ArenaNet“, reagierten. Sie übernahmen kurzerhand die Kontrolle über den Avatar und zwangen ihn in den Suizid. Danach löschte das Unternehmen das Konto des Hackers und veröffentlichte ein Video der als Selbstmord getarnten Hinrichtung – zur Freude zahlreicher „Guild“-Spieler.

Dennoch gab es auch Kritik an der rohen, virtuellen Gewalt. Vergleiche mit den Greueltaten des Islamischen Staates (IS) wurden herangezogen. Tatsächlich ist die Art der öffentlichen Hinrichtung überzogen und fehl am Platz. Die Löschung des Accounts hätte gereicht. „ArenaNet“ hat jedoch ein abschreckendes Exempel statuiert. Es soll potenzielle künftige Cheater abschrecken. Für die betrogenen Gamer ist die Aktion wohl gerechtfertigt „Geschieht dem Cheater recht“, wird die Mehrheit sagen. Ist ja schließlich nur virtuell.

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