Nagars Netzwelt : Fangfrische Werbestrategie

mira

Wenn Werbung in sozialen Medien unterwegs ist.

von
09. Januar 2015, 08:15 Uhr

Beschwingt tanzten junge Frauen durch die bunt gefüllten Regale, gemütlich lehnte der etwas – naja sagen wir gut genährte – bärtige Herr in der Badewanne und kippte sich knuspriges Müsli ins milchige Badewasser. Ein „supergeiles“ Werbevideo grassierte vor einigen Monaten im Netz. Nostalgiker werden sich erinnern. Dann, kurz vor Weihnachten erfreute uns ein Video mit der Melodie von „Jingle Bells“ – intoniert von den Piepstönen verschieden gestimmter Supermarktkassen. Eine späte Reminiszenz der Schreibmaschinensymphonie. Noch hartgesottenere Nostalgiker werden sich erinnern. Und jetzt das: Das Techno-Urgestein Scooter schreit seinen 90er-Jahre-Kracher „How much is the Fish“ durch den Einkaufsmarkt seines Vertrauens. Und erhält endlich eine Antwort. Keine Frage: Werbevideos in sozialen Medien müssen lustiger und origineller sein als ihre Artgenossen im TV. Statt darauf zu setzen, dem Konsumvieh dumpfe Slogans möglichst laut ins Ohr zu hämmern, sollen Web-Spots den Nutzer unterhalten statt zu nerven. Denn nur so erreichen es die Firmen, dass ihr Video freiwillig (und kostengünstig) in sozialen Medien verbreitet wird. Und mit etwas Glück wird es irgendwann „viral“. Das heißt, es grassiert dank des Schneeballeffekts immer weiter. Den Schneeball bringen bezahlte Artikel bei Blogs wie Schlecky Silberstein ins Rollen. Denn was Schlecky produziert, wird gern weitergeleitet. Mehr als 20 Millionen Menschen klickten bei Youtube auf die Kassensymphonie. Die Klicks für „Supergeil“ sind kaum zählbar, denn neben dem Original (13 Millionen Klicks bei Youtube) kursieren Kopien, Parodien und sonstige Adaptionen. Ist doch supergeil, wenn Werbung endlich mal Spaß macht... oder? Wenn aus der guten alten Mund-zu-Mund-Propaganda ein Timeline-zu-Timeline-Effekt wird. Und so schaffte es der Spot „Hyper günstig einkaufen“ in wenigen Tagen auf fast zwei Millionen Klicks. Damit hat er das offizielle Musikvideo zu „How much is the Fish“ (1,2 Millionen) von Scooter bereits jetzt überholt. Aber vielleicht findet das Video auch ein paar nostalgische Fans.

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