Christiansens Netzwelt : „Facezam“ – Die Stalking-App, die es nicht gibt

Automatische Gesichtserkennung kann tief in die Privatsphäre eingreifen.
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Automatische Gesichtserkennung kann tief in die Privatsphäre eingreifen.

Mit einem Foto Fremde auf Facebook finden: „Facezam“ ist ein wahrer Traum für Cyber-Stalker.

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21. März 2017, 16:08 Uhr

Pro Tag nutzten rund 1,2 Milliarden Menschen das soziale Netzwerk Facebook. Die Chance, jemanden, den man frisch kennen lernt, auch online zu finden, ist groß. Und wie wir alle wissen: Man erfährt via Facebook ganz einfach ganz viel über wildfremde Menschen. Vor dem ersten Date das Online-Ich des Gegenübers abchecken – das gehört zum Kennenlernen heute oftmals dazu. Ob es uns nun gefällt oder nicht. Aber es liegt ja an uns, Privates auch im Netz privat zu halten – zumindest so gut es geht und immerhin unsichtbar für die breite Masse. Wir müssen nur mit ein paar Klicks die Profileinstellungen anpassen. Und das sollten wir dringend tun.

Nicht mehr nur an uns liegt es, wenn plötzlich Menschen auf der Straße in null Komma nichts erfahren, dass wir bei Facebook sind und wie wir dort heißen. Und das, ohne je ein Wort mit uns gewechselt zu haben. Nicht einmal gemeinsame Facebook-Freunde braucht es dafür.

Es reicht, die App „Facezam“ auf dem Smartphone zu installieren, ein Foto desjenigen zu machen, der einem gerade auf der Straße begegnet – und die App per Gesichtserkennung nach passenden Facebook-Profilen suchen zu lassen. Ein wahrer Traum für Cyber-Stalker, ein Albtraum für alle anderen.

Da ist es doch ein wenig beruhigend, dass es „Facezam“ gar nicht gibt. Eine britische Marketingagentur hat sich die App ausgedacht – um auf sich aufmerksam zu machen und eine Botschaft zu hinterlassen, die sich als kritisch deuten lässt. Auf der ebenfalls gefälschten Produktwebseite schreiben die Entwickler: „Glücklicherweise gibt es Gesichtserkennungs-Apps derzeit nicht im Westen. Wir hoffen, dass es so bleibt.“ Ich auch.

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