Datenschutz : Facebook-Messenger – Im Chat Freunde ausspionieren

Wann war mein Chat-Partner wo? Mit dem Add-on „Mauders Map“ ließen sich für kurze Zeit Freunde und Bekannte bespitzeln.
Wann war mein Chat-Partner wo? Mit dem Add-on „Mauders Map“ ließen sich für kurze Zeit Freunde und Bekannte bespitzeln.

Spielerei oder Gefahr für die eigenen Daten? Mit dem Add-on „Marauders Map“ konnten Nutzer des Facebook-Messengers sich Bewegungsprofile ihres Chat-Gegenübers ansehen.

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02. Juni 2015, 00:00 Uhr

Wie sieht der Stundenplan meiner Kommilitonen aus und in welchem Raum im Campus-Gebäude schläft wer? Diese Fragen hat sich Aran Khanna zwar nie wirklich gestellt, beantworten kann der findige Harvard-Student sie aber trotzdem ziemlich präzise. Und zwar mithilfe von Informationen aus dem Facebook-Messenger, die er eines Tages in seinem Nachrichtenverlauf entdeckte.

Die Anwendung, die private Chats mit Freunden oder Unterhaltungen in großen Gruppen mit Freunden, Bekannten wie auch Fremden ermöglicht, sendet nicht nur die Nachricht selbst. Es wird auch bekannt, von wo aus die Nachricht versendet wurde. Je nach Version sei dies nach Unternehmensangaben bereits voreingestellt oder aktiv auszuwählen.

Khanna selbst war sich nach eigener Aussage nicht im Klaren, wie viele Infos der Messenger tatsächlich sichtbar macht. „Ich entschloss mich, ein bisschen Spaß mit diesen Daten zu haben“, erzählt er in einem Blogeintrag. Und so entwickelte der Informatik- und Mathematikstudent eine Erweiterung für den Chrome-Browser. Mit dem Add-on „Marauders Map“ ließen sich all diese Daten gesammelt in einer Karte abbilden – und so „lustige (und ziemlich gruselige) Dinge“ damit anstellen, wie etwa, ein ziemlich genaues Bewegungsprofil des Gegenübers zu erstellen.

Ist das GPS-Signal des Smartphones aktiviert, sammelt es genaue Standortinformationen über das Gerät. Allzu präzise seien die Daten, die der Messenger allein sammelt hingegen nicht, heißt es auf sh:z-Nachfrage aus dem Facebook-Umfeld.

Inzwischen ist der Spuck allerdings vorbei: Nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung wurde das Add-on „Marauders Map“ auf Gesuch des US-Konzerns Facebook deaktiviert. Ob das US-Unternehmen in künftigen Versionen des Messengers gänzlich davon absieht, die Sammelei und Veröffentlichung von Standortdatenzu ermögliche, ist unklar.

Eigentlich ist das automatisierte Auslesen von Daten – und dies geschah mit der Erweiterung – laut den Richtlinien von Facebook untersagt. Dem beruflichen Werdegang des Studenten scheint dieser Verstoß jedoch nicht zum Verhängnis zu werden: Er wird wie geplant ein Praktikum bei Facebook beginnen.

> So schalten Sie die GPS-Funktion im Messenger ab:

Im Eingabefenster befindet sich ein GPS-Symbol (eine Art Zielscheibe). Ist dies blau, sendet der Messenger mit jeder abgesetzten Nachricht Standortinformationen. Durch Tippen auf das Symbol wird es grau, also deaktiviert.

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