Henckes Netzwelt : Erst Snapchat, jetzt Facebook: Die Attacke der sinnlosen Stories

Snapchat war Vorreiter für die Story-Funktion.
Snapchat war Vorreiter für die Story-Funktion.

Ein Selfie, geschmückt mit einem süßen virtuellen Hundegesicht, – das hat unserer Gesellschaft gefehlt.

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10. März 2017, 11:48 Uhr

Da sitzt man zu Hause allein auf dem Sofa und denkt sich: „Ich glaub’ ich mach jetzt mal ein Selfie von mir und lege einen Filter mit Hundeohren und Schnauze drüber“. Kennen Sie das Verlangen auch nicht? Gut so! Allerdings scheinen es einige meiner Kontakte in meinem Instagram- und Snapchat-Feed fast täglich zu haben. Zwei Bekannte von mir müssen im wahrsten Sinne des Wortes „tierische“ Langeweile oder aber ein massives Mitteilungsbedürfnis haben, diese nervigen Filter-Stories aufzunehmen und zu teilen. Deren Mehrwert tendiert nicht nur gegen null, sondern eher ins Minus. Und lustig sind sie auch nicht. Dass jetzt auch Facebooks Messenger nach Whatsapp, Instagram und Snapchat die Story-Funktion bekommt, macht die Sache nicht besser.

Schon die Selfie-Kultur muss man nicht verstehen. Die Selbstbildnisse dann aber auch noch mit Tiermasken, Krönchen oder anderem überladenen Kram schmücken zu wollen, entzieht sich meinem Verständnis. So irritiert es nicht mal, dass das Werbevideo für die neue Messenger-Funktion mit einem lustlosen „Yay!“ endet. Die fehlende Euphorie könnte zwei Gründe haben. Erstens: Die Sprecherin findet die Funktion genauso blöd wie ich – oder zweitens: Es ist nicht mehr cool, weil es alle haben.

Die permanente Selbstdarstellung im Netz macht niemanden mehr zu etwas Besonderem. Die meisten, die sich in bunten und verzerrten Stories als mega-individuell und hip präsentieren, sind Teil einer großen Masse geworden. Viel kreativer sind da Freunde, die nicht mal ein Smartphone besitzen. Die bekommen zwar vieles nicht mit, aber das ist angesichts der Story-Flut vielleicht gar nicht schlimm. Das Essen am Flughafen, das Workout im Fitnessstudio, die Nachricht vom Krankenbett und zwischendrin wieder Hasenohren im Selfie-Gesicht: Der tägliche Albtraum in den sozialen Medien. Ich bin dann mal offline.

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