Dirks’ Netzwelt : Einerseits, andererseits

Das Einbetten von Youtube-Videos verletzt keine Urheberrechte – oder? Ganz so klar ist die Sache nicht.

shz.de von
17. Juli 2015, 18:58 Uhr

„In der vergangenen Woche hat der Bundesgerichtshof (BGH) eine wegweisende Entscheidung zum Einbinden fremder Videos in eigene Webseiten getroffen. Dieses von Gerichten seit Jahren so genannte ,Framing’ ist, so das höchste deutsche Zivilgericht, grundsätzlich rechtmäßig. Nur, soweit das eingebundene Video, zum Beispiel von Youtube, ohne Wissen des ursprünglichen Inhabers der Urheberrechte an dem Video eingestellt wurde, verstößt auch das Einbinden des Videos gegen das Urheberrecht.“

Moment. Dieser Anfang gefällt mir nicht. Irgendwie zu ernst, zu negativ. Ich fange am besten noch einmal an:
„In der vergangenen Woche hat der BGH eine wegweisende Entscheidung zum Einbinden fremder Videos in eigene Webseiten getroffen. Dieses vor allem von deutschen Gerichten seit Jahren merkwürdigerweise so genannte ‚Framing‘ – der Begriff klingt auf Englisch übrigens eher wie ‚übers Ohr hauen‘ – ist danach grundsätzlich rechtswidrig. Nur, soweit das eingebundene Video, zum Beispiel von Youtube, mit Wissen des ursprünglichen Inhabers der Urheberrechte an dem Video eingestellt wurde, ist auch das Einbinden des Videos erlaubt und verstößt nicht gegen das Urheberrecht.“

Wirklich besser ist dieser Einstieg allerdings auch nicht. Klingt eigentlich noch schlimmer, obwohl, wie der aufmerksamen Leserin und dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein dürfte, die zweite Variante inhaltlich das exakte Gegenteil der ersten darstellt. Welche gefällt Ihnen denn besser?

Suchen sie sich eine aus, beide sind richtig. Da Juristen mit den Begriffen richtig und falsch ihre Probleme haben, streichen Sie bitte den Begriff „richtig“ aus dem letzten Satz und ersetzen ihn durch „vertretbar“.

Gut möglich, dass Sie die eine oder die andere Variante auch schon irgendwo gelesen haben. Vielleicht in einer als Pressemitteilung getarnten PR-Mitteilung einer Rechtsanwaltskanzlei. Vielleicht, je nach Zielgruppe der Marketingmaßnahme (Abmahn-Opfer / Urheberrechtsverletzte), auch beide.

Was sagt uns das nun über das Urheberrecht, über Anwalts-PR und vielleicht auch über Sie selbst, liebe Leserin und lieber Leser? Vielleicht dies: Das erste ist sehr kompliziert, das zweite macht es sich immer ein bisschen zu einfach und das rechtsinteressierte Publikum tut gut daran, sich aus mehr als einer Quelle zu informieren – auch wenn das manchmal anstrengend ist.

> Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Kiel und bloggt unter www.dirks.legal

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