Maas’ Netzwelt : Detektiv-Handy mit Infrarotblick

Was ist ein Molekularscanner? Und warum wird er jetzt in Smartphones eingebaut?

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17. Januar 2017, 13:07 Uhr

Wenn ich Essen einkaufe und später koche, verlasse ich mich auf meine Sinne: Sieht die Möhre knackig aus? Fühlt sich die Gurke matschig an? Riecht der Fisch strenger als sonst?

Ich will lieber nicht so genau wissen, wie viele Menschen vor mir die Gurke in meinem Einkaufskorb angefasst und was sie vorher gemacht haben. Und ob sie sich zwischendurch die Hände gewaschen haben. Wenn es nach dem chinesischen Smartphone-Hersteller Changhong geht, muss künftig niemand mehr Gemüse abtasten, um die Reife zu bestimmen.

Changhongs neues Smartphone, das H2, besitzt nämlich einen SCiO-Molekularscanner. Der kann herausfinden, welche molekulare Zusammensetzung Objekte und Oberflächen haben. Die Besitzer können so Flüssigkeiten, Nahrungsmittel und Medikamente untersuchen. Fälschungen fliegen auf, weil die Werte nicht mit denen des Originals übereinstimmen. Gemüse wird als gammelig erkannt. Aber auch eine Körperfettanalyse soll möglich sein.

Und wie funktioniert das? Der Molekularscanner ist im Grunde ein Nahinfrarotspektrometer im Miniaturformat: Er sendet einen Lichtstrahl aus und analysiert die Reflexion. Jedes Material sorgt für eine andere Spektrallinie.

Das Gerät wird umgerechnet rund 430 Dollar kosten – also viel weniger als die Geräte von Apple oder Samsung. Dafür gibt es neben dem Molekularscanner ein 6-Zoll-Full-HD-Display, einen Fingerab-druckscanner und eine 16-Megapixel-Kamera. In China soll das Android-Gerät noch im ersten Halbjahr dieses Jahres in den Handel kommen, in weiteren Märkten bis Ende des Jahres.

Ist das wirklich nützlich oder nur Spielerei? Das muss sich noch zeigen. Die Molekularscanner-Technologie wird zum ersten Mal in ein Smartphone eingebaut.

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