Digitalisierung der Arbeitswelt : Der Roboter – Kollege oder Konkurrent?

Nicht immer effektiver als der Mensch: Der Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt macht nicht immer Sinn.
Nicht immer effektiver als der Mensch: Der Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt macht nicht immer Sinn.

Man muss nicht auf die Zukunft warten: Heutige Technologie reichen schon aus, um menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen.

shz.de von
02. November 2016, 16:07 Uhr

In Zeiten einer wachsenden Digitalisierung fragen sich viele Beschäftigte: Kann eine Maschine mir den Job wegnehmen? Wie leicht ersetzbar ist meine Arbeit? Tatsächlich braucht es oft gar nicht die Industrie 4.0 mit ihren internetvernetzten Werkshallen, um Arbeitskräfte aus der Produktion zu verbannen. Heutige Maschinen und Software reichen oft schon aus, um Beschäftigte aus Fleisch und Blut zu ersetzen.

Rein technisch – wie die von der ARD initiierte Datenbank „Job-Futuromat“ zeigt – ist bereits jetzt ein knappes Drittel aller Berufe zwischen 50 und 100 Prozent von Maschinen, Computern oder Robotern ersetzbar. Bei 23 Prozent aller Berufe ist der Einsatz von Robotern oder Computern dagegen allenfalls in Teilbereichen möglich. 23 Prozent der Berufe sind dagegen so spezialisiert, dass dort der Maschineneinsatz keinen Sinn macht.

Ob automatisierbare Arbeiten tatsächlich von einer intelligenten Computersoftware oder einem Roboter erledigt werden, ist nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten allerdings nicht nur eine technische Frage. Menschliche Arbeit könne eben manchmal wirtschaftlicher, flexibler und besser sein als die eines Roboters. Ein Einblick in die Beschäftigungsfelder mit den meisten Beschäftigten:

Bürokraft/Kaufmännische Fachkraft

Der Automatisierungsgrad liegt in diesen Berufen heute schon heute bei 83 Prozent und ist damit sehr hoch. Nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern könnten von sechs klassischen Tätigkeiten der 1,627 Millionen Beschäftigten in diesem Bereich schon heute fünf von Maschinen erledigt werden.

Lager- und Transportarbeiter

Rein technisch ist auch hier ein Großteil der Arbeiten automatisierbar. Schon heute lassen sich 71 Prozent der klassischen Lagerarbeiten maschinell erledigen – nämlich fünf von sieben Tätigkeiten, sind Arbeitsmarktforscher überzeugt. Ob sich am Ende die Chefs auch dafür entscheiden, ist eine andere Frage.

Berufskraftfahrer

Beim bisherigen Stand der Technik brauchen Angehörige dieser Berufsgruppe erst einmal nicht zu befürchten, dass ein Computer ihren Job übernimmt. Der Automatisierungsgrad etwa von der Tourenplanung bis zum Steuern der Fahrzeuge liegt laut „Job-Futuromat“ bei null. Mit dem automatisierten Fahren könnte sich das aber schnell ändern.

Krankenschwester/-pfleger

Pflegeroboter am Krankenhausbett – das ist in den Augen von Forschern zur Zeit ebenfalls schwer vorstellbar. Entsprechend sehen sie den Automatisierungsgrad beim Job der bundesweit rund 673.700 Krankenpfleger bei null.

Verkäufer

Dagegen sind die 870.000 Verkäufer und Verkäuferinnen keineswegs sicher vor Rationalisierungen. Für sie sehen Experten eine Automatisierbarkeit von immerhin 67 Prozent. Dass Roboter Kunden beim Modekauf beraten könnten, halten auch sie für zweifelhaft. Andere Arbeiten könnten aber auch gut Maschinen erledigen.

Bankkaufleute

Für nur teilweise ersetzbar halten Forscher Geldgeschäfte bei Banken. Hier sehen sie eine Automatisierbarkeit von 38 Prozent. Drei von acht klassischen Tätigkeiten eines Bankkaufmanns könnten technisch schon heute Maschinen übernehmen.

Helfer in der Metallindustrie

Vor Umwälzungen stehen den Forschern zufolge auch die Arbeitsplätze in der Metallindustrie. Zumindest einfachere Arbeiten lassen sich dort bereits heute zu 79 Prozent ersetzten. Egal ob Stanzen, Abkanten, Entgraten, Pressen oder Polieren – vieles leisten bereits heute Maschinen oder könnten es zumindest, wenn es Chefs denn wollen. 

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