Nagars Netzwelt : Der große Rundumschlag

mira

Kurze Videos, Grafiken und Text: Große Themen kommen in Multimediareportagen zur Geltung.

von
23. Januar 2015, 07:00 Uhr

Die „New York Times “ hat mit „Snowfall“ den Prototypen einer Multimediareportage geschaffen. Mit Texten, Videos und interaktiven Grafiken kann man sich so richtig tief hineinknien in die Geschichte um ein Lawinenunglück in den Rocky Mountains. Ein virtueller Helikopterflug über die Gipfel, eine mitgefilmte Ski-Abfahrt, Texte und Einzelportäts. So nah und so ausführlich, dass man beinahe die Schneeluft riechen kann.

Seitdem gibt es immer wieder solch umfangreiche Projekte. Stets ist es ein kleines bisschen zu viel, um alles zu lesen, alle Videos zu sehen und Grafiken zu analysieren. Man könnte Stunden damit verbringen. Und so wirkt das Mammutwerk erstmal erschlagend, es ist wie eine Bremse in einem sich immer mehr überschlagenden Medienzirkus. Am Ende lohnt es sich aber fast immer, zumindest einige Texte zu lesen und einige Videos anzuschauen. Für die „Süddeutsche“ zum Beispiel begleitete eine Reporterin den NSU-Prozess (ja, jeden Tag) und besuchte die Schauplätze der Anschläge. Unter „Der Prozess“ gibt es 360-Gradbilder der Tatorte, Gespräche mit Angehörigen der Opfer und immer wieder die schweigende Zschäpe.

Jetzt hat die „Zeit“ über Kinder mit Trisomie 21, Down-Syndrom genannt, geschrieben und gefilmt. Es geht um den kleinen Luka, der wegen der Behinderung im Mutterleib getötet wurde und um den kleinen Benjamin, dessen Eltern sich für sein Leben entschieden. Die Mütter erzählen. Von Lucas letztem Fußtritt und Benjamins Vorliebe für Nudeln mit Pesto. Und die Geschichte der beiden Jungen wurde übersetzt: In leichte Sprache. Nun ist es nicht unbedingt Aushängeschild der „Zeit“, besonders simpel zu schreiben. Daher holte man sich eigens einen Übersetzer, der die schön aber mit so manchem Fremdwort gespickten Texte in verständliches Deutsch übertrug. Offenbar damit auch die betroffenen Kinder die Reportage verfolgen können. Ob sich die Mühe lohnt, wenn man bedenkt, dass „Bild Online“ mit einem Countdown zum Dschungelcamp vergangene Woche sicher mehr Leser auf seine Seite zog? Was die Anzahl der Klicks angeht sicher nicht. Aber vielleicht geht es ja manchmal um mehr als das.

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