Dreyklufts Netzwelt : Der Abgesang auf die Apple Watch

Die Apple Watch.
Die Apple Watch.

Während Apples Uhr Alltagsgegenstand wird, erklären Marktforscher schon das Ende, schreibt unser Kolumnist Joachim Dreykluft.

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14. Juli 2015, 18:38 Uhr

Haben Sie eine Apple Watch? In meinem Umfeld sehe ich immer mehr Menschen damit. In einem Gespräch habe ich mich jüngst zu der so trotzigen wie arroganten Aussage hinreißen lassen: „In eine anständige Uhr gehört ein Schweizer Uhrwerk und kein chinesischer Chip.“ Viele Menschen, denen ich begegne, sehen das anders.

Wahres Prestige am Handgelenk: eine Schweizer Uhr.
Imago/Manfred Segerer
Wahres Prestige am Handgelenk: eine Schweizer Uhr.

Die große Masse dort draußen muss es aber doch so ähnlich sehen wie ich. Offenbar befinde ich mich in einer ganz speziellen Filterblase, weil ich überdurchschnittlich häufig deutschen Medienmenschen begegne.

Zwar veröffentlicht Apple keine Verkaufszahlen. Laut den Marktforschern von Slice Intelligence verkaufte Apple zuletzt noch 5000 Stück  pro Tag in den USA. Im April waren es demnach noch 35.000, vor dem Start im April soll es rund eine Million Vorbestellungen gegeben haben. Die Verkäufe sinken also kontinuierlich.

Auf US-Websites, die sich mit Digitaltechnik beschäftigen, wird schon der Abgesang auf die Apple Watch gesungen. „Fast Company“ erklärt sie quasi für tot. Das Fazit des Autors: Funktioniert nicht, ist nicht mehr beliebt bei Mode-Ikonen (Beyoncé trägt keine mehr!), hat eine schlechte Software.

Ich persönlich habe mit der Apple-Watch ein anderes Problem. Natürlich trage auch ich nicht immer ein Schweizer Uhrwerk, sondern gelegentlich auch chinesische Chips am Handgelenk, vor allem beim Sport. Aber die immer ohne Internet-Zugang.

Auch das ist ein Feature der Apple-Uhr: Sie kann meine Herzfrequenz messen und meinen körperlichen Zustand beurteilen. Die Daten landen im Internet. Und da liegt eine Grenze, die ich rational nicht erklären kann: Ich sage Google, wo ich bin, Netflix, was ich schaue, Microsoft, was ich schreibe und lese. Aber mein Herzschlag, der soll weiterhin nur mir gehören. Und nicht ins Netz.

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