Dreyklufts Netzwelt : Das Dilemma mit den deutschen Servern

Ein Serverraum in Deutschland, hier bei web.de in Karlsruhe.
Ein Serverraum in Deutschland, hier bei web.de in Karlsruhe.

Hiesige Server sind auch keine Hilfe gegen die NSA-Spionage. Weil die Bundesregierung uns das einzige nehmen will, das wirklich schützt.

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19. Mai 2015, 18:03 Uhr

Es gibt in Sachen Datenschutz eine gängige Meinung: Daten auf deutschen Servern sind sicherer als Daten auf US-Servern. Diese Frage ist für Privatleute wichtig und für Unternehmen sehr relevant, denn die jüngsten Informationen über Industriespionage durch die NSA offenbaren ein großes Problem.

Auf Server in den USA haben US-Behörden naturgemäß leichteren Zugriff durch die räumliche Nähe. Allerdings: Ein Server in den USA ist für die NSA auch ein juristisches Problem. Denn das Ausspionieren von Inländern, Personen wie Unternehmen, unterliegt wenigstens einigen Restriktionen. Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die NSA gesetzliche Bestimmungen ohnehin umgeht und sich dafür allenfalls vor Geheimgerichten schelten lassen muss.

Aber welchen Vorteil soll ein deutscher Server bringen? Die räumliche Entfernung ist angesichts der Fähigkeiten und Zugriffsmöglichkeiten der US-Dienste kaum ein Argument. Der Eifer hiesiger Dienste, der NSA wenn gewünscht zu helfen, ist hier eher kontraproduktiv.
Am Ende hilft nur eines: Verschlüsselung. Das macht der NSA, nach allem, was wir durch Snowden wissen, Probleme. Hier läuft der digitale Rüstungswettlauf zugunsten des Verteidigers, nicht des Angreifers.

Schade nur, dass gerade unsere Bundesregierung, vertreten durch Innenminister Thomas de Maizière, seit Monaten gegen Verschlüsselung vorgeht: Deutsche Dienste müssten „befugt und in der Lage sein, verschlüsselte Kommunikation zu entschlüsseln oder zu umgehen“, sagte der im Januar bei einer Konferenz für Cybersicherheit in Frankreich. Was die Einschränkung „deutsche Dienste“ wert ist, erfahren wir gerade.

Was hilft? Aggressives Lobbying gegen den Anti-Verschlüsselungs-Irrsin.

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