Consumer Electronics Show Las Vegas : CES 2015: Vom vernetzten Auto zum 8K-Ultra-HD-TV

Wie könnte man besser beweisen, dass selbstfahrende Autos Zukunft haben? Ein deutscher Wagen fährt hunderte Kilometer zur Technik-Messe CES in Las Vegas. Auch die Elektronik-Branche sieht sich auf dem richtigen Weg.

shz.de von
05. Januar 2015, 11:39 Uhr

Las Vegas | Audi will zur Technik-Messe CES mit einer fast 900 Kilometer langen Tour beweisen, dass selbstfahrende Autos bereit für die Straße sind. Ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug des Modells A7 mit dem Spitznamen „Jack“ fährt in zwei Tagen die Strecke vom Entwicklungslabor im kalifornischen Silicon Valley zur Messestadt Las Vegas. Audi kündigte die Aktion am späten Sonntag an.

Die Volkswagen-Tochter hatte bereits bei der vergangenen CES Anfang 2014 einen automatisierten Audi durch Las Vegas fahren lassen. Selbstfahrende und vernetzte Autos stehen dieses Mal noch stärker im Fokus der Elektronik-Show, vor allem deutsche Autohersteller drängen sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

So kündigte der südkoreanische Elektronik-Riese LG kurz vor CES-Beginn an, dass er 3D-Kameras für automatisiert fahrende Mercedes-Autos liefern wird. Der südkoreanische Autobauer Hyundai kündigte an, dass man einige neue Modelle auch mit einer Android-Computeruhr entsperren und starten können wird.

Zugleich könnte aber Google mit seinen Ambitionen für selbstfahrende Stadt-Mobile ein künftiger scharfer Rivale werden. Die Autokonzerne legen deshalb besonderen Wert darauf, in Las Vegas Flagge zu zeigen. Auch BMW, Volkswagen, Ford und Toyota buhlen auf der CES um Aufmerksamkeit. Noch stärker als bisher steht vernetzte Technik im Mittelpunkt. Die Marschrichtung ist klar: Alles, was mit dem Internet oder anderen Geräten verknüpft werden kann, wird auch verbunden werden.

Auch der Grafikkarten-Spezialist Nvidia will eine Schlüsselrolle in zukünftigen Autos übernehmen. Der Konzern stellte auf der Technik-Messe CES in Las Vegas einen Computer vor, der besonders schnell und präzise Objekte in seiner Umgebung erkennen soll. Das System „Nvidia Drive“ unterscheide zum Beispiel schnell zwischen Fußgängern und Radfahrern und könne auch einzelne Automodelle auseinanderhalten, erläuterte Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang am Sonntag (Ortszeit). Der Autocomputer ist dafür mit reichlich Rechenleistung ausgestattet und kann gleichzeitig Bilder von bis zu zwölf Kameras verarbeiten. Die Erkennung der Umwelt gilt als eine Schlüssel-Funktion, damit selbstfahrende Autos den Weg in den Alltag finden können. Nvidia spricht von „neuralen Netzen“, die sich bei der Auswertung der Bildinformationen an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns orientierten.

Selbstfahrende Autos werden unsere Städte nach Einschätzung von Forschern schrittweise erobern. Der Anfang wird wohl in Parkhäusern und auf Parkplätzen gemacht werden, wie Professor Hans-Jörg Bullinger von der Fraunhofer-Gesellschaft und der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky vorhersagen. Erst später dürften Autos, die ohne Fahrer und mit Hilfe digitaler Kommunikationstechnik unterwegs sind, wirklich auf die Straßen deutscher Großstädte kommen. „Im kontrollierten Parkraum ist das kein Problem, dass das Fahrzeug autonom fährt“, erläutert Bullinger mit Blick auf die Studie „Trendreport Stadt“ (2014) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. „Und vielleicht fährt es noch später auch ganz autonom weiter.“

Der Leiter des Trendinstituts 2b AHEAD in Leipzig, Janszky, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass er in rund fünf Jahren die ersten Autos erwarte, die auf Knopfdruck alleine zu einem freien Parkplatz fahren. „Und in acht bis zehn Jahren werden in den Großstädten Taxis langsam ersetzt durch tatsächlich selbstfahrende Autos. Nicht als erstes als kaufbares Auto, sondern als Service- und Dienstleistungsfahrzeug, das ich mit dem Handy per Knopfdruck rufe, wo ich das Ziel eingebe - und es geht los.“

Für Aufsehen sorgen auch die positiven Nachrichten aus der Elektronik-Branche: Das Geschäft mit Fernsehgeräten kommt nach einer jahrelangen Durststrecke wieder in Gang. Für dieses Jahr erwarteten Marktforscher ein weltweites Absatz-Wachstum von zwei Prozent auf 251 Millionen Geräte, hieß es am Sonntag zum Auftakt der Technik-Messe CES in Las Vegas. Dabei steige der Anteil von Geräten mit der besonders hohen Ultra-HD-Bildqualität explosiv an, prognostizierte der Chefanalyst des Messeveranstalters CEA, Steve Koenig. In diesem Jahr dürften die Verkäufe der sogenannten 4K-Fernseher auf 23,3 Millionen Geräte von 9,3 Millionen 2014 hochspringen. China sei der größte Markt: Dort sollen 13,3 Millionen solcher Geräte verkauft werden. In Deutschland rechnet die Branche für 2015 mit einem stabilen Absatz von 8,2 Millionen Fernsehern, wie der Branchenverband gfu am Freitag mitteilte. Smart-TVs mit Internet-Zugang und zusätzlichen Features sollen dabei mit 75 Prozent den größten Umsatzanteil haben.

Die Marktforscher rechnen damit, dass die Ultra-HD-Geräte sehr schnell den Markt dominieren werden. Es wird erwartet, dass in den USA bis 2018 bereits 63 Prozent der Fernseher mit Bildschirmdiagonalen über 40 Zoll (101,6 cm) Bilder in der hohen Auflösung wiedergeben. Dafür dürften die rapide sinkenden Preise sorgen - aber auch wirtschaftliche Überlegungen der Hersteller, die nicht verschiedene Arten von Displays produzieren wollen. Ultra-HD hat eine Auflösung von 3840 mal 2160 Bildpunkten.

Diesmal werden Modelle sogar mit sogenannter 8K (8000 horizontale Pixel) - statt 4K-Auflösung (4000 horizontale Pixel) erwartet. Die Displays der bisher vor allem in Japan entwickelten Geräte kommen auf 7680 mal 4320 Bildpunkte. Zum Vergleich: Beim heute am weitesten verbreiteten Full-HD sind es nur 1920 mal 1080 Pixel. Daneben dürfte auch bei der TV-Technik die Vernetzung besonders im Mittelpunkt stehen. So wurde vor Messebeginn bekannt, dass alle neuen Samsung-Fernseher mit Internet-Anschluss mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen laufen sollen, das auch in den Computer-Uhren des südkoreanischen Smartphone-Marktführers steckt. Mit Tizen will Samsung die Vernetzung aller Geräte deutlich vereinfachen.

Zugleich blieben Smartphones der wichtigste Wachstumstreiber der Branche, betonte Koenig. In diesem Jahr werde ihr Absatz weiter um 19 Prozent auf 1,5 Milliarden Geräte steigen. Drei Viertel davon dürften in Schwellen- und Entwicklungsländern verkauft werden. Da dort günstigere Geräte gefragt seien, werde das Umsatzwachstum deutlich langsamer ausfallen. Die CEA und der Marktforscher GfK rechnen mit einem Zuwachs von neun Prozent auf 406,7 Milliarden Dollar.

Obwohl bei der CES massenhaft neue Geräte wie Computeruhren oder Fitnesstracker vorgestellt werden, machen sieben Produktkategorien 80 Prozent der Branchenumsätze aus, betonte Chefanalyst Koenig. Die wichtigsten sind dabei Smartphones und Tablets, die alleine 46 Prozent einbringen. Außerdem gehörten Kameras, Fernseher und PCs zu der Spitzengruppe. Bei manchen anderen Geräteklassen wie etwa Spielekonsolen könne es dagegen sogar sein, dass man derzeit die letzten Produktgenerationen sieht, bevor ihre Funktionen in die Internet-Cloud abwandern.

Die Fachmesse CES öffnet offiziell am Dienstag. Diesmal steht bis 9. Januar neben Autos die Vernetzung aller Geräte im Mittelpunkt. Die Technik-Messe fand zum ersten Mal 1967 statt. Zunächst war sie in New York angesiedelt. Ab 1978 gab es dann pro Jahr zwei Termine in Las Vegas und Chicago, Ende der 90er Jahre blieb nur das Spielerparadies in der Wüste als Austragungsort übrig. Auf der CES debütierten etwa Videokassetten-Recorder und 3D-Fernseher. Vom ursprünglichen Fokus auf Unterhaltungselektronik wurde die Palette immer breiter. Inzwischen nutzt auch die Autobranche die Messe im Januar als Plattform für die Präsentation ihrer Neuheiten. Zu den vier Messetagen kommen rund 150.000 Fachbesucher nach Las Vegas.

Die neuesten Entwicklungen von der CES werden auch auf dem offiziellen Twitter-Kanal der CES bekanntgegeben.

           

           

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