Müllers Netzwelt : Breitband-Ausbau: Von Allianzen und Erkenntnissen

Der Breitband-Ausbau in Bredstedt startet im neuen Jahr.
100 Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau fließen.

Damit der Netzausbau nicht ins Stocken gerät, ist Fingerspitzengefühl gefragt.

shz.de von
10. März 2017, 17:23 Uhr

Alle wollen nur das Eine, nämlich den Breitbandausbau bis 2025. Führende Telekommunikationsunternehmen sowie die Bundesregierung planen angeblich, 100 Milliarden Euro hierfür auszugeben. Dann sollen Bandbreiten im Gigabit-Bereich möglich sein. So will laut dem Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, die Bundesregierung zu den bereits bewilligten vier Milliarden Euro weiter jährlich bis zu drei Milliarden Euro dem Bundeshaushalt entlocken. Der Rest komme aus der Wirtschaft. Diese fordert, je nach Interessenlage, den Ausbau der Glasfasernetze oder die Modernisierung der vorhandenen Kupfernetze.

Die Allianz geht derzeit jedoch nur so weit, wie es eigene Interessen zulassen. So erleben wir gerade in Schleswig-Holstein, wo eine Menge Glasfaseranschlüsse entstehen oder bereits entstanden sind, dass die Telekom parallel zu den Glasfasernetzen ihre Kupfernetze ertüchtigt und kräftig die Werbetrommel rührt. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass die Glasfaseranbieter nicht die Kundenquote erreichen, die nötig wäre, um das Netz wirtschaftlich betreiben zu können.

Nun scheint es aber auch bei der Telekom und anderen angekommen zu sein, dass es volkswirtschaftlich mehr Sinn ergeben würde, wenn keine parallelen Netze gebaut würden, sondern wenn man auch die Netze der Wettbewerber nutzt. Das haben die Wettbewerber der Telekom jahrelang auch so gemacht, bis sie gemerkt haben, dass es lohnenswert sein kann, selbst in Infrastruktur zu investieren.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Bundesnetzagentur neutral bleibt und für ein investitionsfreundliches Klima sorgt, indem sie den Inhabern der Glasfasernetze auskömmliche Netznutzungsentgelte zugesteht. Denn auch das ist klar, gerade der Ausbau im ländlichen Raum ist auch mit Fördergeldern sehr teuer und nicht vergleichbar mit dem Ausbau von Mehrfamilienhäusern in Städten. Das sollte bei den Netznutzungsentgelten berücksichtigt werden. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt, damit der Glasfaserausbau sich weiter rechnet und nicht ins Stocken gerät.

> Dirk Müller ist Experte für  Breitbandausbau in Schleswig-Holstein.
 

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