Dreyklufts Netzwelt : Bekenntnis eines Tatort-Hassers

Joachim Dreykluft ist Online-Chefredakteur des sh:z.
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Joachim Dreykluft ist Online-Chefredakteur des sh:z.

Das bisherige Fernsehen nervt. Abhilfe schaffen Streaming-Dienste. Ich kann schauen, was ich will, wann ich will – mit Konsequenzen, schreibt unser Kolumnist Joachim Dreykluft.

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13. Januar 2015, 15:31 Uhr

Die Deutschen lieben ihr lineares Fernsehen. Jüngst versammelten sich wieder neun Millionen Menschen, um gemeinsam Tatort zu schauen, diesmal in der Dortmund-Variante.

Mir geht das lineare Fernsehen auf den Keks. „Lineares Fernsehen“, ein Begriff, den es bis vor einigen Jahren noch gar nicht gab. Er bedeutet schlicht nichts anderes, als Fernsehen, wie es immer war, old school: Der Sender strahlt ein Programm hintereinander weg. Ich muss dann Zeit haben, wenn die Sendung läuft, die mich interessiert.

Habe ich aber nicht. Abends, wenn die guten Sachen laufen (etwa am Montag eine Doku über Cyberkriminalität ab 23.30 Uhr in der ARD), bin ich längst im Bett.

Meine Einstiegsdroge in das nichtlineare TV waren die Mediatheken der Öffentlich-rechtlichen. Hier kann ich meine Lieblingssendungen schauen, wenn ich Zeit habe. Umso verärgerter war ich, als die letzten Folgen meiner damaligen Lieblingsserie Lillyhammer auf Arte vier Tage nach Ausstrahlung nicht mehr abrufbar waren.

Seitdem streame ich. Und es eröffnet sich eine neue Welt. Wie armselig ist deutsche TV-Kost, wenn man House of Cards, Breaking Bad oder The Walking Dead kennt. Ausnahme: Tatortreiniger! Definitiv keine Ausnahme: Tatort!

Konsequenzen: Die auf dem Land dünnen Bandbreiten werden weiter strapaziert. Gleiche Lebensverhältnisse bedeutet: massiver Breitbandausbau. Und natürlich auch: Bisher (Satellitenempfang) konnte niemand nachvollziehen, was ich schaue. Jetzt liegt mein TV-Verhalten auf dem Server eines US-Konzerns. Aktuell ist mir das aber lieber als die Rückkehr zum Tatort-Lagerfeuer.

Eine Entscheidungshilfe zum Thema finden Sie unter www.shz.de/streaming

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