Mac-Betriebssystem OS X 10.11 : Apple-System „El Capitan“ vereint Welten

Ein Fokus des neuen Apple-Systems liegt auf der Wischtechnik – so kann der Nutzer unter anderem den Mauszeiger vergrößern.
Ein Fokus des neuen Apple-Systems liegt auf der Wischtechnik – so kann der Nutzer unter anderem den Mauszeiger vergrößern.

Auf der Keynote der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC gab es Neuigkeiten zum Macintosh-System OS X. Erste Eindrücke von der Arbeit mit dem System 10.11 „El Capitan“, das im Herbst kommen wird.

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18. Juni 2015, 11:10 Uhr

Apple führt sein Mobilsystem iOS für das iPhone und iPad und das Betriebssystem OS X für die Macintosh-Computer immer stärker zusammen. Das ist der erste Eindruck nach einem Vorabtest der neuen Desktop-Software. Insbesondere bei der Gestensteuerung, aber auch wichtigen Anwendungen wie Maps und Notizen wachsen die Systeme für den Schreibtisch und Mobilgeräte zusammen. Allerdings lässt in OS X noch die virtuelle iPhone-Sprachassistentin Siri auf sich warten.

Die neue Version von OS X 10.11 wurde von Apple nach dem 1000 Meter hohen Monolith „El Capitan“ im Yosemite-Nationalpark benannt. Die Namensgebung zeigt, dass Apple im Vergleich zum Vorgängersystem „Yosemite“ keinen radikalen Neu-Anfang gesucht, sondern an Details gefeilt hat. Zu diesen kleinen nützlichen Dingen gehört die Funktion, nach dem Einschalten des Rechners den Mauszeiger zu finden. Gerade wenn man mit mehreren Monitoren arbeitet, konnte dies bislang ein kleines Geduldsspiel sein. Nun reicht ein zügiges Hin- und Her-Wischen mit dem Finger auf dem Trackpad oder eine ähnliche Bewegung der Maus, um den Zeiger eine kurze Zeit lang so zu vergrößern, dass er nicht mehr zu übersehen ist.

Bei der Bedienung der Mail-App orientiert sich Apple nun stark an dem Mobil-System: Einzelne Mails lassen sich nun mit einer Wischbewegung wie bei iOS ins Archiv bewegen, löschen oder als ungelesen markieren. Wer OS X nicht an einem MacBook-Laptop verwendet, sondern an einem iMac oder einem anderen Desktop-Rechner, benötigt dafür ein Trackpad.

Bei der Suchfunktion Spotlight holt Apple nun einige Funktionen nach, die Anwender des Google-Dienstes Now bereits kennen. Spotlight versteht nun auch natürlichsprachige Abfragen und berücksichtigt dabei auch den Kontext. Wenn der Anwender beispielsweise nach dem „Wetter am Freitag“ ohne eine Ortsangabe fragt, geht das System davon aus, dass die Wettervorhersage für den Standort gelten soll, an dem sich der Rechner gerade befindet. Als richtig praktisch erweist sich diese Funktion im Zusammenspiel mit anderen Anwendungen, die auf dem Rechner installiert sind: So versteht Spotlight Anfragen wie „Zeige alle ungelesenen Mails, die ich von Simon erhalten habe“ oder „Zeige alle Dokumente, die von Katja im Mai erstellt wurden“.

Auf der WWDC demonstrierte der Spielehersteller Epic Games die Vorteile anhand seines Actionspiels „Fortnite“. Von dem Geschwindigkeitszuwachs sollen aber auch andere rechenintensive Anwendungen profitieren, etwa die Programme der „Creative Suite“ von Adobe zur Foto- und Videobearbeitung. Das Rendering der Videosequenzen in einer angepassten Version der Anwendung „After Effects“ sei achtmal schneller als vorher abgelaufen, sagte Apple-Software-Chef Craig Federighi und berief sich dabei auf Entwickler von Adobe. Aber auch für Normal-Anwender, die auf dem Mac „nur“ E-Mails lesen oder ein PDF-Dokument öffnen, soll alles viel flotter werden.

Deutlich verbessert hat Apple inzwischen seine Karten-Anwendung Maps. Die App leidet noch immer unter dem Image-Debakel nach der Einführung von Apple Maps im Mobilsystem iOS 6 im Sommer 2012. Das Kartenmaterial und seine Aufbereitung waren damals noch äußerst fehlerhaft und Apple-Chef Tim Cook musste sich dafür öffentlich entschuldigen. In den vergangenen Monaten hat Apple allerdings viele Hausaufgaben erledigt, so dass Maps inzwischen neben populären Konkurrenten wie Google Maps oder Nokia Here eine gute Figur macht.

Mit „El Capitan“ (und auch dem neuen Mobilsystem iOS 9) werden in Apple Maps nun auch Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs angezeigt – zumindest in ausgewählten Städten. Neben etlichen US-Großstädten sowie 300 Metropolen in China wird der Dienst auch in London und Berlin zum Marktstart von iOS 9 und OS X 10.11 verfügbar sein. In der Betaversion kann man bislang jedoch in Europa nur die Busse und Bahnen in der britischen Hauptstadt anzeigen lassen. Berlin soll aber spätestens im Herbst auch dabei sein. Viele Anwender eines Apple-Gerätes sind nämlich offenbar zu bequem oder überfordert, sich entsprechende Apps auf ihr Gerät zu installieren, die schon heute die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs anzeigen.

Die Vorschauversion von OS X 10.11 „El Capitan“ wurde bereits auf der Entwicklerkonferenz WWDC für Programmierer freigeschaltet. Später im Sommer soll eine öffentliche Betaphase folgen, die alle Interessenten kostenlos ausprobieren können. Im Herbst stellt Apple dann die fertige Vollversion zur Verfügung.

Wie schon bei den vergangenen System-Upgrades verlangt Apple für „El Capitan“ kein Geld, sondern stellt die Software kostenlos bereit.

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