Hightech in der Landwirtschaft : App „Q-Milch“: Mit dem Tablet unter Kühen

Alle Infos stets parat: Landwirt Carsten Dahmke möchte die App „Q-Milch“ nicht mehr missen.
Alle Infos stets parat: Landwirt Carsten Dahmke möchte die App „Q-Milch“ nicht mehr missen.

Papierloser Bauernhof: Landwirt Carsten Dahmke behält mithilfe von Tablet und Smartphone den Überblick über seine Kühe.

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31. Januar 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Im Kuhstall von Carsten Dahmke herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Für die Tiere sei das die „Wohlfühltemperatur“, sagt der Landwirt. Für Dahmke selbst nicht unbedingt. Der 41-Jährige steht auf dem Futtergang zwischen seinen Kühen und wischt mit eisigen Fingern über das Display seines Tablets – nicht nur zum Spaß, es ist sein Arbeitswerkzeug. In dem Gerät stecken unzählige Informationen zu jedem einzelnen Tier. Genauer gesagt in der installierten App „Q-Milch“. „Es geht gar nicht mehr ohne“, sagt Dahmke. Bei 270 Milchkühen und 230 anderen Tieren (Kälber, Jungtiere und Bullen), deren Zustand es zu überblicken gilt, kein Wunder. Das alles handschriftlich auf Zetteln oder Karteikarten „wäre ein Papierkrieg“ statt Ordnung.

Seit vier Jahren nutzt Dahmke die App, die ein Landwirt aus Aukrug im Kreis Rendsburg-Eckernförde entwickelt hat. „Ich programmiere seit 35 Jahren“, sagt Erfinder Jochen Behrens, der einst von seinen Eltern einen gut – in Papierform – organisierten Bauernhof mit 40 Kühen übernommen hat. Nötig war das Programm also nicht. „Es macht aber Spaß“, sagt der Entwickler.

Im Jahr 2000 lief die erste Version auf einem tragbaren Gerät der Marke Palm mit druckempfindlichem Bildschirm – ausschließlich für den Eigengebrauch. „Die Leute fragten nach, was ich denn da mit den Geräten im Stall mache“, erzählt Behrens. Und so verteilte sich das Programm zunächst im näheren Umkreis des 50-jährigen Aukrugers.

Seit fünf Jahren ist die App offiziell erhältlich, inzwischen sogar bundesweit. In Schleswig-Holstein ist „Q-Milch“ nach Angaben von Behrens marktführend: zehn Prozent der schleswig-holsteinischen Betriebe nutzten das Programm, „der Rest hat noch gar keine App.“ Sie sei so konzipiert, dass sie intuitiv verständlich ist und der praktische Nutzen im Vordergrund steht, erklärt Behrens. „Der Rest läuft im Hintergrund“, sagt er und meint damit die Umschlüsselung der Daten für mögliche wissenschaftliche Auswertungen. Dies sei für den Anwender aber nicht relevant. „Wenn die App gut gemacht ist, kommt beim Fingerdruck auch das, was man erwartet.“

Neben Informationen über den Gesundheitszustand der Tiere bei der Inspektion durch den Tierarzt, bisher vorgenommenen Behandlungen, To-do-Listen oder anstehenden Terminen werden auch Daten rund um die Besamung der Kühe, wann sie kalben oder die regelmäßige Milchkontrolle erfasst. Über eine Schnittstelle mit Institutionen wie der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH), dem Landeskontrollverband oder zum Datenaustausch mit dem Tierarzt werden relevante Daten automatisch übermittelt. Über ein weiteres Modul kann auch der Ackerbau verwaltet werden. Nach und nach soll die App erweitert werden: die Schwerpunkte Medikation oder Fütterung werden ergänzt oder neu hinzugefügt.

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Doch auch wenn Vieles auf dem Hof Dahmke inzwischen automatisch läuft, der Gang in den Kuhstall bleibt dem Landwirt nicht erspart. So wird der Stall noch manuell gereinigt, auch im Melkstand ist ein Mensch erforderlich. Darauf legt er aber auch besonderen Wert. Es sei wichtig, seine Tiere zu kennen und ein Auge für sie zu haben, sagt er. „Ich kann in die App nur etwas eingeben, wenn ich es erkenne.“ Doch manchmal abends, wenn zur Fütterungszeit im Stall alles ruhig war, reicht es auch, wenn Dahmke einen Blick auf das Livebild auf seinem Tablet oder dem Smartphone wirft, das die sieben im Stall installierten Kameras liefern. Dann muss er nicht raus in den kalten Stall – im Haus herrscht schließlich seine Wohlfühltemperatur.

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