Tracker, Cookies & Co. : Anonymität im Netz: Kein Surfen ohne Spuren

Wer durchs Internet surft, hinterlässt Spuren. Es gibt zwar Möglichkeiten, sich durch den Einsatz geeigneter Software etwas zu verstecken - aber absolute Anonymität im Netz ist nicht möglich.

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19. Dezember 2014, 09:35 Uhr

Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt beinahe zwangsläufig digitale Spuren. Viele Dienste im Netz sammeln allerlei Daten über ihre Nutzer – so auch beispielsweise der Internetgigant Google. Was mit diesen Daten alles angestellt wird und wo sie wie lange gespeichert werden, lässt sich meist nicht nachvollziehen. Was viele nicht wissen – ein gewisser Schutz gegen Datensammlung und die Identifizierung im Netz ist möglich:

Virtual Private Networks
Internet-Werbung sei grundsätzlich nichts Schlimmes, sagt Axel Kossel von der Fachzeitschrift „c’t“. Allerdings versuchen die Agenturen, den Nutzern möglichst personalisierte Werbung einzublenden. So könne es einer Frau, die im Internet nach einem Schwangerschaftstest sucht, passieren, dass sie im Anschluss ständig Windel-Werbung angezeigt bekommt. „Dann merkt man doch schon, dass das sehr tief in die Privatsphäre eingreift“, sagt Kossel. Eine Möglichkeit, identifiziert und damit auch von der Werbeindustrie verfolgt zu werden, ist die sogenannte IP-Adresse – eine Art Nummernschild eines Computers im Netz. Virtual Private Networks (VPN) sind ein Weg, diese Adresse zu verschleiern. Dabei werden die Anfragen des Surfers über einen VPN-Knoten geleitet. Webseiten bekommen dann die IP-Adresse des Knotens und nicht die des Nutzers angezeigt. VPN seien aber „entweder beschränkt und langsam oder sie kosten Geld“, erklärt Kossel. Bis zu 15 Euro im Monat werden verlangt.

Anonyme Netzwerke
Das TOR-Netzwerk ist eine kostenlose Möglichkeit, weitgehend anonym im unterwegs Netz zu sein. Die Anfragen werden hier über mehrere Server geleitet, so dass eine Rückverfolgung schwierig ist. Das früher von Experten empfohlene Netzwerk hat allerdings Schwachpunkte. „Einmal ist es sehr unpraktisch, weil es das normale Surf-Verhalten sehr einschränkt“, sagt Norbert Pohlmann, Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen. Die Umleitung über das Netzwerk sorge nämlich für „gewaltige Geschwindigkeitsprobleme“.  „In den vergangenen Monaten gab es aber auch immer wieder Berichte, nach denen Austritts-Server des TOR-Netzwerks unter Überwachung stehen, beispielsweise von Sicherheitsforschern oder anderen Stellen, und somit die Anonymität gegebenenfalls infrage gestellt ist“, sagt Tim Griese, Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Auch Geheimdienste sollen hier mitlesen.  Eine deutsche Lösung für Anonymität ist Jondonym. Der Dienst wurde unter anderem vom schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten mitentwickelt und leitet Daten über einen sogenannten Proxy-Server. Das ist zunächst kostenlos – Hochgeschwindigkeit kostet aber Geld.  Vor der Nutzung sollte man sich allerdings jeden Anonymisierungsdienst gut ansehen. Schließlich kann der Anbieter die eigene IP-Adresse mitlesen, wie Experte Pohlmann erläutert.

Log-ins
Bei aktivem Log-in ins Google-Konto ist die Datensammlung besonders einfach. Deswegen sollte man sich nur anmelden, wenn es wirklich nötig ist, rät die Zeitschrift „PC Magazin“ (Ausgabe 12/2014). Das gilt auch für Log-ins bei anderen Diensten wie etwa Facebook.

Synchronisation
Durch den Abgleich von E-Mails, Kontakten, Kalendereinträgen oder Browserverläufen werden viele persönliche Informationen preisgegeben. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sorgt sich besonders um Persönlichkeitsprofile, die durch die Zusammenführung all dieser Daten erstellt werden könnten. Die Verbraucherschützer fürchten, dass dadurch in Zukunft etwa Nachteile bei der Wohnungssuche oder der Kreditvergabe entstehen könnten. Wer sie stoppt oder alternative Angebote nutzt, macht sich weniger transparent.

Tracker und Cookies
Die Verfolgung durch Tracking-Dienste und die Identifikation des Rechners durch Cookies genannte Dokumente, die auf dem Computer hinterlegt werden, lässt sich einschränken. Dabei helfen die richtigen Browser-Einstellungen im Bereich „Datenschutz“ und Add-ons wie „BetterPrivacy“, „Privacy Badger“, „Ghostery“ oder „Disconnect“. Sie lassen sich in den Browsern Firefox und Chrome installieren. Der Google-Browser lässt zahlreiche Erweiterungen zu, die vor übertriebener Datensammelei schützen.

Internetsuche
Die Google-Suche ist der Marktstandard. Allerdings fließen alle Sucheingaben und Klickauswertungen in den Datenschatz des Unternehmens. Es gibt aber zahlreiche Suchdienste, die keine Eingaben ihrer Nutzer speichern oder auswerten. Dazu empfiehlt „PC Magazin“ die deutschsprachige Meta-Suchmaschine „OneSeek.de“. Weitere Angebote sind etwa „startpage.com“, „ixquick.com“, „metager.de“ oder „duckduckgo.com“.

Alternativen Für ziemliche alle Dienste gibt es im Netz verschiedenste Alternativangebote anderer Anbieter. Einige davon sind nicht kommerziell wie etwa der Kartendienst „OpenStreetMap“ statt Google Maps, Preisvergleichsportale sind eine Alternative zum Shopping-Dienst des Internetriesen. Kostenlose Übersetzungen ohne Datensammlung liefern etwa „leo.org“ oder „dict.cc“.

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