Invasive Art : Die Quagga-Muschel macht sich in Deutschland breit

Avatar_shz von 03. Dezember 2021, 09:14 Uhr

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Die konkurrenzstarke Quagga-Muschel bildet große Muschelbänke in den Seen und Fließgewässern Deutschlands
Die konkurrenzstarke Quagga-Muschel bildet große Muschelbänke in den Seen und Fließgewässern Deutschlands

Aus dem Schwarzen Meer ist die Quagga-Muschel nach Deutschland gelangt, wo sie sich seit einigen Jahren sehr stark ausbreitet. Welche Folgen das für Mensch und Umwelt hat.

Hamburg | Bereits im 19. Jahrhundert gelangten so genannte Dreikantenmuscheln über die Schifffahrt in deutsche Binnengewässer. Besonders stark durchsetzen konnte sich die Zebramuschel (Dreissena polymorpha), die heute nahezu flächendeckend in Deutschland vorkommt. Seit einigen Jahren bekommt sie allerdings Konkurrenz durch eine verwandte Art. Die Quagga-Muschel (Dreissena bugensis) macht allerdings nicht nur der Zebramuschel das Leben schwer. Mehr zum Thema: Warum sterben die Muscheln im Wattenmeer? Miesmuschel behauptet sich auch in saurer werdendem Meer Quagga-Muschel auf dem Vormarsch Laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ist die Quagga-Muschel erstmals 2005 in Deutschland nachgewiesen worden. Seither habe sich das robuste Weichtier extrem schnell ausgebreitet und drohe nicht nur seine verwandte, sondern auch andere heimische und gefährdete Arten zu verdrängen. So hatte die Quagga-Muschel bereits 2008 die Zebramuschel als häufigste Muschelart im Main-Donau-Kanal abgelöst, wie der Ökologe Andreas Dobler von der Technischen Universität München der in Rheinischen Post schilderte. Da sich sowohl die ausgewachsenen Exemplare als auch deren Larven sehr gut an harten Oberflächen festhalten können, sei einer Ausbreitung der Quagga-Muschel wenig entgegenzubringen. Beispielsweise über Boote und Surfbretter könnten sie leicht von einem Gewässer in das nächste gelangen. Ökonomische Probleme Ein stark betroffenes Gewässer ist der Bodensee, wo sich die Quagga-Muschel seit 2016 rasant ausbreitet. Ähnlich wie Austern bildet Dreissena bugensis über robuste Haftfäden (sogenannte Byssusfäden) Muschelbänke – allerdings nicht nur am Gewässergrund. Fischer schilderten dem Bayerischen Rundfunk (BR), dass sich die Muscheln in großer Zahl an ihrer Fangausrüstung und sogar am Kühlwassersystem der Bootsmotoren anheften. Außerdem verfingen sich von Muscheln befallene Steine in ihren Netzen und bereiteten so mehrere Kilogramm Beifang, den sie aussortieren müssen. Auch das Trinkwasserversorgungssystem werde durch die Quagga-Muschel beeinträchtigt. Als Larven gelangen sie in die Leitungen und setzen sich in Rohren und auf technischen Anlagen fest. Das sorgt für einen erhöhten technischen sowie finanziellen Aufwand. So sprach die Sprecherin der Bodensee-Wasserversorgung, Maria Quignon, gegenüber dem BR im Juli von "Investitionen in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages", um beispielweise mit zusätzlichem Personal gegen den rasanten Muschelbefall von unterirdischen Wasser-Kammern vorzugehen. Nahrungsquelle und Konkurrent Die Auswirkungen der Quagga-Muschel auf die Gewässerökologie sind noch nicht eindeutig bestimmt. Aufgrund seiner schieren Masse könne sich der fleißige Filtrierer allerdings langfristig negativ auf die Nahrungsnetze der deutschen Gewässer ausüben. Arten, die sich wie die Quagga-Muschel von Plankton ernähren, könnte die Nahrungsgrundlage ausgehen. So könnte laut BR ein Zusammenhang zwischen der Ausbreitung der Quagga-Muschel mit dem Rückgang der Bestände der Felchen, einem Speisefisch, im Bodensee bestehen. Die mit der Quagga-Muschel verwandte Zebramuschel stellt laut Nabu eine bedeutende Nahrungsquelle für viele karnivore Wasservögel und Fische dar. Mit ihrer Ansiedlung haben sich beispielsweise die Bestände überwinternder Tauchenten und Blässhühner am Bodensee deutlich erhöht. Bisher gebe es keine Indizien dafür, dass die Quagga-Muschel als Schwesternart der Zebramuschel sich auf diese Prädatoren-Bestände negativ auswirke. ...

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