Virologe warnt im Podcast : Drosten zeigt sich besorgt über das „deutsche Spezialproblem“ und Omikron

Avatar_shz von 08. Dezember 2021, 15:53 Uhr

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Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, blickt mit Sorge auf die neue Corona-Variante, die für schwerere Krankheitsverläufe vor allem bei Ungeimpften führen könnte.
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, blickt mit Sorge auf die neue Corona-Variante, die für schwerere Krankheitsverläufe vor allem bei Ungeimpften führen könnte.

Christian Drosten warnt im neuesten Podcast "Coronavirus-Update" vor der Omikron-Variante, die in Deutschland 2022 für Probleme sorgen könnte. Außerdem erklärt der Virologe, warum Deutschland ein "Spezialproblem" hat.

Hamburg | Die Corona-Pandemie könnte in Deutschland auch noch im kommenden Sommer für größere Probleme und Einschränken sorgen. Der weitere Verlauf hänge aus Sicht des Berliner Virologen Christian Drosten stark von der Ausbreitung der neuen Virusvariante Omikron ab, wie er im neuen Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info erklärte. Zum Thema: Experte Anthony Fauci: Omikron "nahezu sicher" nicht schlimmer als Delta Booster-Impfung für alle: Was Sie jetzt wissen müssen Was wir über die Omikron-Variante bisher wissen – und was nicht Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Variante B.1.1.529 bereitet den Wissenschaftler große Sorgen, weil die Variante die Wirksamkeit der Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von erneuten Infektionen erhöhen könnte. Während aktuell in Deutschland nur knapp 30 Fälle mit Omikron bekannt seien, könnte sich die Variante hierzulande spätestens ab dem Beginn des kommenden Jahres ausbreiten. "Ich denke, ab Januar werden wir mit Omikron in Deutschland ein Problem haben", sagte Drosten. Impflücke in Deutschland immer noch viel zu hoch Neben der drohenden Gefahr durch die Mutation habe Deutschland zudem ein "Spezialproblem", wie der Virologe mahnte. "Von den großen europäischen Industrienationen ist es einfach so, dass wir diejenigen mit der größten Impflücke sind." Und auch in der Altersgruppe der über 60-Jährigen sei diese Lücke immer noch viel zu groß. Laut aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts sind in dieser Altersklasse aktuell etwas mehr als 86 Prozent doppelt geimpft. "Das ist einfach viel zu wenig", mahnte Drosten. Gefährlich werden könnte für die ungeimpften Menschen dieser Altersgruppe dann vermutlich auch neue Variante, die zu schwereren Krankheitsverläufen führen könnte. "Es könnte sein, dass die Krankheitsschwere nicht nur nicht verringert ist. Es könnte sogar sein, dass es erschwert wird, die Krankheitsschwere." Omikron sei für "immunologisch naive" Menschen wahrscheinlich kein harmloses Virus, so Drosten. Die Impffortschritte in den Bundesländern Related content Diese Warnung sprach Drosten vor allem mit Blick auf eine deutlich stärkere Virusvermehrung bei Omikron aus, die anhand erster vorläufiger Daten absehbar sei. "Viel Virus, viel Krankheit", sagte Drosten. Schützen könne man sich vor allem durch die Impfung sowie den darauffolgenden Booster. "Die geboosterte Impfung ist die neue Doppelimpfung, wenn man mit Omikron rechnet", so der Virologe. Das, was Omikron an Immunschwund verursache, gleiche man mit dem Unterschied zwischen zwei und drei Impfdosen wieder aus. Konkrete Aussagen dazu könnten jedoch frühestens in zwei bis drei Wochen getroffen werden, wenn auch mehr Forschungsdaten zur Verfügung stünden. Er wolle auch nicht den Teufel an die Wand malen, halte aber Vorsicht angesichts der Veränderungen des Virus für geboten, sagte der Charité-Forscher. Öffentliche Debatte drehe sich zu sehr um die Booster-Impfungen Trotz "angezogener Handbremse" müsse man in Deutschland noch viel mehr auf das Schließen der Impflücke achten. Das habe nach wie vor die größte Priorität und komme laut Drosten in der öffentlichen Debatte, die sich momentan vor allem um die Booster-Impfung drehe, viel zu kurz. "Wir brauchen eine gesamte grundimmunisierte Bevölkerung, um uns den Eintritt in die endemische Phase leisten zu können", sagte Drosten mit Blick vor allem auch auf die Todeszahlen. Wenn man trotz weiterhin großer Impflücke zu schnell wieder lockere, seien viele schwere Krankheitsverläufe und folglich auch viele Todesfälle zu erwarten. Haben Sie große Bedenken aufgrund der neuen Variante? Opinary Iframe Besorgniserregend nannte Drosten die aus Südafrika gemeldeten Krankenhausaufnahmen von Kindern. Berichten zufolge betreffe ein Fünftel der Krankenhausaufnahmen Kinder im Alter von unter zehn Jahren. Der Virologe warnte zugleich vor Euphorie angesichts vermutlich bevorstehender Meldungen aus Südafrika über einen milden Krankheitsverlauf. Daten von einer Krankenhausgruppe aus Pretoria zufolge hätten mit der neuen Variante nur rund 20 Prozent der eingelieferten Patienten Sauerstoff benötigt. Das sei Vergleich zu vergangenen Wellen sehr viel weniger. Dennoch: In Südafrika handle es sich um Wiederansteckungen von Menschen, die schon einmal oder sogar zweimal das Coronavirus hatten. Deshalb sei die Situation mit Deutschland nicht zu vergleichen. Und er betonte er nochmals: "Das ist eine große Ratestunde, die wir hier leider nur veranstalten können und keine datenbasierte Wissenschaftsinformation", sagte Drosten. Ende der Pandemie im Frühjahr? Drosten dämpft die Hoffnungen Hohe Verbreitungsgeschwindigkeit könnte Deutschland vor große Probleme stellen Trotz der immer noch sehr schwammigen Datenlage zeigte sich Drosten insbesondere durch die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron besorgt. Es zeige sich eine Verdopplung der Fälle in Südafrika oder England etwa alle drei bis vier Tage. Falls sich das für Deutschland bestätige, "dann ist das eine Entwicklung, die schneller ist als jede politische Entscheidungsmöglichkeit. Dann hätten wir bald ein ernstes Problem." mit Material der dpa ...

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