Zuversicht bei Provinzial-Mitarbeitern

Bereits Ende vergangenen Jahres hatten angebliche Verkaufspläne  für Proteste unter den Kieler Provinzial-Mitarbeitern gesorgt.   Foto: dpa
Bereits Ende vergangenen Jahres hatten angebliche Verkaufspläne für Proteste unter den Kieler Provinzial-Mitarbeitern gesorgt. Foto: dpa

Vorstand des Versicherers sichert im Fusionsfall Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zu

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24. April 2013, 12:34 Uhr

Kiel | Treffpunkt Kino. Aber offensichtlich lief kein Gruselfilm: Schweigsam, doch nicht ohne Zuversicht verlassen die rund 2000 Mitarbeiter der Provinzial nach knapp dreistündiger Betriebsversammlung den Multiplex-Filmpalast Cinemax in Kiel. Gegenstand der Beratungen am Dienstag: die angedachte Fusion mit der Provinzial Rheinland, die Lage des Unternehmens und die Zukunft der Jobs in Kiel.

Dass die Mitarbeiter trotz der Turbulenzen der vergangenen Monate nach wie vor recht zuversichtlich sind, liegt einerseits an der wirtschaftlichen Lage der Provinzial Nordwest mit Sitz in Kiel und Münster. Die ist nach Aussage des Vorstandes so gut wie selten zuvor. Und andererseits an der Zusicherung, dass es im Falle einer Fusion mit den Rheinländern keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. "Da diese Fusion zumindest aus Sicht der Provinzial Nordwest wirtschaftlich nicht zwingend ist, sondern offenbar politisch erwünscht, stellen wir klare Bedingungen", so das Statement von Gesamtbetriebsratschef Albert Roer. So müsse es neben der Standortgarantie auch eine Regelung geben, um "Eskapaden wie kürzlich mit der Allianz" zu verhindern.

Hintergrund: Anfang des Jahres hatte es Verkaufsverhandlungen mit der Münchner Allianz -Versicherung gegeben, die erst nach massiven Protesten der Mitarbeiter sowie politischer Intervention gestoppt wurde. An der Provinzial NordWest sind die schleswig-holsteinischen Sparkassen mit 18 Prozent beteiligt. Jeweils 40 Prozent halten der Schwesterverband Westfalen-Lippe und der dortige Landschaftsverband. Angeblich hatte die Allianz ein Angebot von 2,25 Milliarden Euro abgegeben. Um die Wiederholung solcher Übernahmeversuche zu verhindern, plädiert Roer dafür, bei einer Fusion die Rechtsform der Provinzial Rheinland zu übernehmen. Die ist eine Anstalt öffentlichen Rechts und nicht wie die Provinzial Nordwest eine Aktiengesellschaft. "Bei einer AG besteht die Gefahr, dass die Anteilseigner den Unternehmenswert verfrühstücken und Gewinne aus dem Unternehmen ziehen, um andere Risiken abzudecken." Dabei hat er die Sparkassen im Blick, die aus dem Verkaufserlös den Abschreibungsbedarf bei der HSH-Nordbank und West-LB abdecken wollten.

Die Kieler Provinzialbetriebsrätin Kerstin David unterstützt deshalb die Forderung nach einem Staatsvertrag zwischen den potenziell an der Fusion beteiligten Ländern Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. "Darin sollten die Bundesländer den öffentlichrechtlichen Auftrag des Versicherers und dessen Gemeinwohlorientierung festschreiben", so David. Zudem fordert sie, dass an allen Standorten "quantitativ und qualitativ zukunftssichere Arbeitsplätze erhalten bleiben und mögliche Stellenstreichungen proportional erfolgen".

Bis zu 510 Stellen fallen weg

Wie berichtet, müssen laut Fusionsgutachter an allen drei Standorten insgesamt 400 bis 510 Stellen wegfallen. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, indem frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt werden. Laut Gutachten sollen die Sachversicherungen und die Unternehmens-Holding auf die Standorte Münster und Düsseldorf verteilt werden. Kiel wäre zuständig für das Lebensversicherungsgeschäft.

Am kommenden Montag beraten die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) als Miteigentümer in einer gemeinsamen Sondersitzung über eine mögliche Fusion der beiden Versicherungsunternehmen. Marktanalysten gehen auf jeden Fall davon aus dass ein Verkauf an die Allianz inzwischen als sehr unwahrscheinlich gilt.

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