Ségolène Royals Palmöl-Panne : Zum Boykott kein Grund - Greenpeace spricht Nutella frei

Nutella macht bei der Palmöl-Verarbeitung viel richtig, schreibt Greenpeace.
Nutella macht bei der Palmöl-Verarbeitung viel richtig, schreibt Greenpeace.

Das süße Frühstück ist gerettet - und eine italienisch-französische Krise abgewendet. Die Geschichte eines Aufregers.

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18. Juni 2015, 15:22 Uhr

Die französische Umweltministerin Ségolène Royal stürzte Anfang der Woche mit einem Boykott-Aufruf Nutella-Fans weltweit in die Verzweiflung – doch Greenpeace gibt Entwarnung. Die Umweltorganisation lehne einen Boykott von Palmöl-Produkten ab, erklärte Greenpeace gegenüber der Nachrichten-Webseite Quartz. Der Grund: „Ein pauschaler Boykott dieser Nutzpflanze wird die Probleme bei ihrer Produktion nicht lösen.“

Palmöl ist mit 30 Prozent Marktanteil das meist angebaute Pflanzenöl der Welt. Das Öl macht Nahrungsmittel geschmeidig und wird unter anderem in Margarine, Süßwaren und Aufstrichen verarbeitet sowie zum Braten und Kochen verwendet. Die wichtigsten Anbauländer für Ölpalmen sind Malaysia und Indonesien, aber auch Kolumbien, Nigeria und Thailand.

Ségolène Royal hatte in einer Talkshow auf Canal Plus am Montagabend zu einem Nutella-Boykott aufgerufen. Denn für die Ölpalmen würden große Flächen Regenwald gerodet, sagte sie. Der Moderator entgegnete entrüstetet, Nutella schmecke doch gut: „Mais c’est bon, Nutella.“ Vieles deutet darauf hin, dass er sich für den Nutella-Genuss nicht schämen muss und Ferrero nicht zu den Bösen der Branche gehört.

In einem Statement schreibt Greenpeace: Man behaupte nicht, dass Ferrero eine „uneingeschränkt verantwortungsvoll handelnde Firma“ sei - aber immerhin „mit am fortschrittlichsten“ beim Thema Palmöl. Denn Ferrero unterstütze die Palm Oil Innovation Group, zu der Greenpeace, andere NGOs und einige Palmöl-Produzenten gehören, schreibt Quartz. Laut einem Bericht von Zeit Online macht der Konzern beim umstrittenen Roundtable on Sustainable Palm Oil mit, der Mindeststandards für die Produktion und den Einsatz von Palmöl definiert. Ein firmeninternes Programm, das Lieferketten transparent machen soll und sich für den Wandel der Industrie einsetzt, gibt es auch.

Ein Blick in den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens gibt Aufschluss: Das Palmöl in Nutella kommt von 249 Plantagen, vor allem in Malaysia. Ferrero arbeitet daran, kein Palmöl von Plantagen zu verarbeiten, für die Wälder gerodet wurden. Und Kleinbauern sollen besser eingebunden werden. Soja und Rapsöl sind laut Greenpeace ohnehin keine Alternative zum Palmöl, weil sie nicht so ertragreich sind und deshalb noch mehr Fläche brauchen.

Eine kleine politische Krise hat der Nutella-Konflikt auch ausgelöst: Ferrero ist ein italienisches Unternehmen, und Italiens Umweltminister Gian Luca Galleti sagte dem Telegraph: „Wir sind mit Nutella aufgewachsen und wir werden das niemals aufgeben. Wenn die Franzosen kein Nutella essen wollen, schlecht für sie. Sie wissen nicht, was sie verpassen.“ Später schrieb er auf Twitter, er finde die Aussage Royals „beunruhigend“. Und er freue sich auf ein Brot mit Nutella.

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