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Wirtschaft

18. Oktober 2017 | 04:07 Uhr

Zalando geht an die Börse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Online-Händler „schreit vor Glück“: Die Zahlen sind vor dem Börsengang im schwarzen Bereich

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2014 | 13:08 Uhr

Der Mode-Händler Zalando will noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Ein genauer Termin wurde zunächst nicht genannt. Zalando will 10 bis 11 Prozent am Unternehmen auf den Markt bringen. Es gab zunächst keine Hinweise darauf, wie teuer die Aktien werden sollen. Die Höhe des Emissionsvolumens könne bis zu 750 Millionen Euro betragen, hieß es.

Anfangs war es einfach, den Mode-Händler Zalando als Leichtgewicht abzutun. Die schrille TV-Werbekampagne unter dem Motto „Schrei vor Glück“ bescherte der Firma schnell große Bekanntheit. Die kostenlosen Retouren sorgten bei dem Senkrechtstarter zugleich aber für eine teure Rücksendequote. Auch jetzt noch werden – am Umsatz gemessen – 50 Prozent der bestellten Ware zurückgeschickt. Das sorgte immer wieder für Skepsis, wie lange so etwas gutgehen kann.

Die ausführlichen Zahlen, die Zalando jetzt zum Börsengang präsentiert, zeigen jedoch: Das Geschäftsmodell scheint aufzugehen. So gab es im vergangenen Quartal auch unterm Strich schwarze Zahlen mit einem Nachsteuergewinn von 29 Millionen Euro. Zalando hatte bisher stets ein Geheimnis um die Details zum Geschäft gemacht und bestenfalls operative Zahlen mit herausgerechneten Sonderkosten veröffentlicht. Das schürte wiederum Spekulationen darüber, wieviel ungünstiger die unbereinigten Zahlen aussehen müssten. Eine Erkenntnis ist jetzt: Zalando verdient tatsächlich Geld.

Und mit einem Anteil wiederkehrender Kunden von zuletzt 75 Prozent muss Zalando auch weniger Geld als früher ausgeben, um neue Nutzer anzulocken. Zugleich zeigen die Zahlen, dass das Bild vom typischen Zalando-Kunden, der viel und oft bestellt, offensichtlich falsch ist. Nach jüngstem Stand kam ein durchschnittlicher Zalando-Kunde in den vergangenen zwölf Monaten auf 2,77 Bestellungen. Insgesamt kommt Zalando auf 13,7 Millionen „aktive Kunden“, die in den vergangenen zwei Monaten mindestens eine Bestellung abgeschickt haben. Der Großteil des Geschäfts spielt sich immer noch in der deutschsprachigen Region ab. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen zuletzt 57 Prozent der Erlöse. Und dort wird ein Großteil des Gewinns erwirtschaftet. Diese drei Länder spülten im vergangenen Quartal vor Steuern und Zinsen 25,5 Millionen Euro in die Kassen. Aus den restlichen Zalando-Märkten kamen 6 Millionen Euro.

Auch angesichts solcher Diskrepanzen birgt der Börsengang für Zalando genauso Risiken wie für andere junge Unternehmen. Mit Rückendeckung bisheriger Aktionäre wie der schwedischen Investmentgesellschaft Knnivik oder der Samwer-Brüder konnte Zalando auch hohe Verluste für Wachstum in Kauf nehmen. Nach dem Börsengang werden Anleger die Zahlen Quartal für Quartal unter die Lupe nehmen. Das könnte auch Auswirkungen auf die Kunden zur Folge haben. „Zalando wird sein Geschäftsmodell nach dem Börsengang ändern müssen“, ist der Börsengangsexperte Konrad Bösl von der Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner überzeugt. „Die Retouren sind ein großer Kostenblock. Das kann das Unternehmen auf Dauer nicht durchhalten“, so Bösl. Zalando-Vorstand Ritter betont hingegen, die kostenlosen Rücksendungen gehörten fest zum Geschäftsmodell.

Zalando polarisiert: Händler mit stationären Läden beklagen sich über Billig-Konkurrenz aus dem Internet. Mit der Gewerkschaft hat das Unternehmen immer wieder Streit um die Arbeitsbedingungen. Nach einer TV-Dokumentation, bei der eine Reporterin mit versteckter Kamera den Versandalltag filmte, liefert sich Zalando wegen des Vorwurfs schlechter Arbeitsbedingungen eine Auseinandersetzung mit RTL. Das Startup mit der schrillen Werbung weiss sein Image zu verteidigen.

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