Wo der Hauskauf sich noch lohnt

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Eine Studie zeigt, in welchen Regionen Eigenheime sowohl billig als auch wertstabil sind – und was Käufern im Norden besonders wichtig ist

shz.de von
04. Juni 2014, 13:33 Uhr

Es sind zwei Probleme – und vor einem der beiden glaubt fast jeder zu stehen, der davon träumt, im eigenen Haus zu wohnen: Entweder man lebt in einer gefragten Region. Dann scheint der Kauf eines Eigenheims oft abschreckend teuer. Oder man lebt in einem Landstrich mit schlechter Perspektive. Dann ist der Kauf einer Immobilie zwar oft günstig, aber es droht ein Wertverlust.

Glaubt man jedoch einer gestern in Berlin veröffentlichten Studie der Sparda-Banken in Deutschland, gibt es auch Gegenden, in denen sich Käufer keine der beiden Sorgen machen müssen. Die Untersuchung hat ermittelt, wo Häuser sowohl relativ billig als auch wertstabil sind. Das Ergebnis der gesonderten Regionalstudie für Norddeutschland: In Schleswig-Holstein bieten die Kreise Dithmarschen, Steinburg, Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Flensburg und Segeberg gute Voraussetzungen für einen unbedenklichen Immobilienkauf.

Denn zum einen sieht das für die Analyse konsultierte Prognos-Institut in keinem der fünf Kreise nennenswerte Zukunftsrisiken (siehe Karte). Zum anderen zahlen Käufer hier für ein rund 130 Quadratmeter großes Einfamilienhaus bei Durchschnittspreisen zwischen 150 000 und 230 000 Euro weniger als das 4,5-fache des durchschnittlichen regionalen Jahresnettoeinkommens – was bei den Experten der Bank noch als günstig gilt. Normalerweise wird in Schleswig-Holstein Hamburg und Nord-Niedersachsen das 5,2-fache des Haushaltsjahresnettos für ein Eigenheim fällig, in Deutschland durchschnittlich das 5,0-fache. Die Preisspanne reicht bundesweit von 2,5 Jahreseinkommen für ein Einfamilienhaus im oberfränkischen Wunsiedel bis 10,6 Jahreseinkommen im Landkreis München, mit besonders hohen Kaufpreisen in Starnberg. In den zehn größten Städten kosten Eigenheime zwischen 4,3 Jahreseinkommen in Bremen und 9,4 in der Stadt München.

„Die Studie zeigt: Wohneigentum ist immer noch erschwinglich“, kommentierte Joachim Wuermeling, Vorstandschef des Sparda-Banken-Verbands, die Resultate der Studie. Dies sei deshalb wichtig zu wissen, weil bisher nur 46 Prozent der Deutschen und nur 43 Prozent der Norddeutschen in eigenen vier Wänden wohnt – obwohl zwei Drittel das für lohnend halten und jeder dritte Mieter finanziell in der Lage sei, Eigentum zu kaufen. Im Norden plant denn auch immerhin jeder vierte Mieter in den nächsten zwei bis drei Jahren eigenen Wohnraum zu erwerben. Das hat das ebenfalls an der Studie beteiligte Institut für Demoskopie Allensbach ermittelt.

Besonders viel Wert legen die Norddeutschen demnach beim Kauf einer Immobilie auf eine ausreichende Größe (66 Prozent), gefolgt von einer guten Raumaufteilung (61 Prozent) und einem niedrigen Energieverbrauch (60 Prozent). Ungefähr die Hälfte der Norddeutschen möchte auf dem Land oder in einer Kleinstadt leben, die andere Hälfte lieber in größeren Städten.

Abschreckend auf potenzielle Hauskäufer wirken laut Allensbach-Umfrage nicht nur der hohe Preis und die daraus resultierenden Einschränkungen im Lebenswandel, sondern auch die hohen Nebenkosten beim Kauf. Sparda-Verbandschef Wuermeling forderte daher die Länder auf, die Grunderwerbsteuer zu senken. Viele haben sie allerdings zuletzt erhöht – Schleswig-Holstein etwa auf die Rekordhöhe von 6,5 Prozent. „Das Geld ist für den Käufer unwiederbringlich verloren“, gab Wuermeling zu bedenken. Er schlug daher vor, dass jeder Bürger die Grunderwerbsteuer nur einmal im Leben zahlen müsse – auch wenn man öfter Immobilien kaufe.

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