Krise des dualen Systems : Wirtschaft warnt: Berufsschulen in SH geht Personal aus

Die Zahl der Lehramtsstudenten in Schleswig-Holstein ist rückläufig. Das bedroht die Existenz von den Berufsschulen im Land.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
28. Juli 2015, 10:28 Uhr

Kiel/Flensburg | Betriebe in Schleswig-Holstein haben immer größere Probleme, geeignete Auszubildende zu finden. Doch damit nicht genug. Sehr bald könnte es auch für die Berufsschulen selbst eng werden. Denn immer weniger Studenten interessieren sich offenbar für eine Karriere als Berufsschullehrer – was der norddeutschen Wirtschaft zunehmend Sorgen bereitet.

„Wir haben jetzt schon Engpässe in bestimmten Fächern“, sagt Hans Joachim Beckers, Bildungsexperte der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein. Einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge erwartet auch immerhin jeder dritte Betrieb (31 Prozent) im Land zwischen Nord- und Ostsee, dass es bis 2025 zu einem akuten Lehrermangel an den Einrichtungen kommt.

Tatsächlich geht die Zahl der Lehramtsstudenten für berufliche Schulen drastisch zurück. Das zeigen auch Zahlen der Universität Flensburg, die in Schleswig-Holstein für diesen Bereich der Lehrerausbildung zuständig ist. Allein seit 2011 ging die Zahl der Studenten um 34 Prozent zurück, gerade einmal 78 Studenten sind gegenwärtig im Lehramt für Berufsschule eingeschrieben.

„Die Ausbildung der Berufsschullehrer ist schwierig“, sagt Beckers. Denn während viel über Gymnasien und Grundschulen debattiert wird, finden die Berufsschulen nur selten Erwähnung. Die Studenten in Schleswig-Holstein hätten die Berufsschulen überhaupt nicht im Fokus, sagt Beckers. Zudem trifft die Berufsschulen bei der Nachwuchssuche ihrer Lehrkräfte auch offenbar noch ein anderes Problem – das allgemeine Desinteresse an den mathematisch-naturwissenschaftlichen sowie den technischen Fächern, kurz Mint genannt.

Insgesamt sei es die Neigung, sich nicht zu sehr mit diesen Fächern auseinanderzusetzen, sagt der IHK-Experte. Zwar ist der Anteil der Mint-Absolventen im Norden nach Zahlen der Stifterverbands zwischen 2008 und 2013 um 21,8 Prozent gestiegen, damit landet Schleswig-Holstein im Bundesvergleich jedoch gerade einmal auf Platz elf.

Das Angebot an Berufsschulen zwischen Nord- und Ostsee ist indes bereits seit längerer Zeit rückläufig. Im Schnitt wurde zwischen 2003 und 2013 alle 15 Monate eine Berufsschule im Land geschlossen. Gegenwärtig gibt es nach Zahlen vom Statistikamt Nord noch 34 Berufsschulen, an denen die Zahl der Lehrer in den letzten drei Jahren von 4915 auf 4871 zurückgegangen ist. Damit liegt sie aber immer noch über dem Niveau vom Anfang des Jahrtausends.

Beckers fürchtet, dass es angesichts sinkender Schülerzahlen in Zukunft zu weiteren Konzentrationsprozessen kommen könnte. Die Folge: Die Wege für Berufsschüler würden noch länger werden – und die duale Ausbildung an Attraktivität verlieren.

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