Briefkastenfirma in Holland „Paradise Papers“: Auch das Museum Kunst der Westküste taucht auf

Von shz.de | 08.11.2017, 20:29 Uhr

Der NDR berichtet über eine holländische Firma hinter dem renommierten Museum auf Föhr. Die genauen Hintergründe bleiben unklar.

Nach Informationen des NDR läuft auch das Föhrer „Museum Kunst der Westküste“ über eine Briefkastenfirma. Das ergab sich aus den Recherchen zu den „Paradise Papers“. Demnach weisen Dokumente darauf hin, dass das renommierte Kunstmuseum der in Holland registrierten Peloponnesus B.V. gehört. Stifter und Eigentümer des Museums und seiner Kunstsammlung ist der schwedische Pharma-Unternehmer Frederik Dag Arfst Paulsen. Paulsen lebt heute in der Schweiz, sein Vermögen wird von Forbes auf 7,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die deutsche Zentrale von Ferring mit rund 500 Mitarbeitern sitzt in Kiel.

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Das Ausnutzen von Steuerschlupflöchern ist nicht per se kriminell. Auch Briefkastenfirmen sind nicht illegal. Dennoch weisen Kritiker darauf hin, dass sich Unternehmen mit entsprechenden Firmengeflechten aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen können.

Paulsen regelt dem Bericht zufolge seine Firmen- und Vermögensangelegenheiten über ein weit verzweigtes Netz Hunderter ineinander verschachtelter Firmen, darunter auch eine Stiftung auf der Kanalinsel Jersey - einem Steuerparadies. Doch steuerliche Gründe seien nicht ausschlaggebend für die Firmenstruktur rund um das Museum Kunst der Westküste, lässt Paulsen auf Anfrage des NDR ausrichten. Vielmehr „war das Bestreben, größtmögliche Flexibilität bei der internationalen Verleihung von Kunstgegenständen und der jeweiligen Sammlungen zu gewährleisten“. Die Peloponnesus B.V. befindet sich in Hoofdorp nahe dem Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Paulsen, er lege Wert auf die Feststellung, „dass er sich als schwedischer Staatsbürger ebenso wie als Unternehmer und Förderer ohne Wenn und Aber an Recht und Gesetz hält – und bei keiner seiner Aktivitäten jemals eine Struktur bzw. Konstruktion wählen oder befürworten würde, die nicht legal ist“.

Über Ferring führen die NDR-Recherchen auch weiter zu Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Denn Paulsen und Castensen verbindet nicht nur eine enge Freundschaft. Das Kunstmuseum in Alkersum hat mit Carstensen einen prominenten Direktoren. Er übernahm den Posten Anfang 2013, kaum ein halbes Jahr nachdem er aus der aktiven Politik ausgeschieden war.

Laut Bilanz der Peloponnesus erhielten die drei Direktoren des Museums im Geschäftsjahr 2014 zusammen 90.000 Euro, 2015 sind es 45.000 Euro gewesen. Für die übrigen Jahre mache die Firma keine Angaben, heißt es. Carstensen begründete den Posten beim Museum gegenüber dem NDR damit, dass ihm die Förderung seiner Heimatregion und die Entwicklung des Museums am Herzen liege. Einkünfte daraus habe er dem Finanzamt vollumfänglich angezeigt. Die Firmenkonstruktion kommentierte er nicht.

Auch die Partei des ehemaligen Landeschefs ging nicht leer aus. Über die Firma und aus privaten Mitteln spendete Paulsen zwischen 2002 und 2010 nach Informationen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ insgesamt rund 568.000 Euro an die CDU.