Erleichterung bei Analysten : Wirtschaft in China wächst um sieben Prozent

2014 verzeichnete die Volksrepublik das schwächste Wachstum seit 24 Jahren. China liegt aktuell auf dem vorgegebenen Kurs.

shz.de von
15. Juli 2015, 07:55 Uhr

Peking | Chinas Wirtschaft hat sich nach offiziellen Angaben stabilisiert. Wie schon im ersten Quartal dieses Jahres wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes auch in den vergangenen drei Monaten um sieben Prozent. Dies teilte das Statistikamt am Mittwoch in Peking mit. Analysten hatten zuvor mit einem leicht schwächeren Wert von 6,9 Prozent gerechnet.

„China verliert zunehmend seinen Kostenvorteil, weil die Löhne steigen. Ausländische Firmen wandern deshalb mit ihren Fabriken ins Ausland ab“, sagte der Pekinger Ökonomie-Professor He Xiaoyu. Problematisch seien auch weiterhin die hohen Überkapazitäten der Staatsbetriebe und die strenge Anti- Korruptionskampagne Pekings, die Teile der Wirtschaft lähme.

Die jüngsten Daten für Juni sind jedoch ein Hoffnungsschimmer: Die Einzelhandelsumsätze stiegen kräftig um 10,6 Prozent. Die Industrieproduktion wuchs um knapp sieben Prozent. „Es ist gut möglich, dass die Wirtschaft bis Ende des Jahres weiter anzieht“, sagte He. Andere Experten äußerten sich weniger zuversichtlich. Sie glauben, das tatsächliche Wirtschaftswachstum sei bereits klar unter die offiziell verbreiteten Zahlen auf fünf oder sechs Prozent gefallen.

Ministerpräsident Li Keqiang hatte für dieses Jahr ein Wachstumsziel von rund sieben Prozent ausgegeben - das nun bereits zum zweiten Mal punktgenau getroffen wurde. Allerdings ist auch das für chinesische Maßstäbe eine sehr geringe Marke. Im vergangenen Jahr hatte das Land mit 7,4 Prozent das schwächste Wachstum in 24 Jahren verzeichnet. Zuvor war die Wirtschaft meist zweistellig gewachsen.

Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Wachstum des BIP in Prozent 10,0 10,1 10,4 11,6 13,0 9,6 9,2 10,5 9,2 7,8 8,4 7,4 7,0*

*von der Regierung geschätzt

Chinas Wachstumsmodell müsse auf ein neues Fundament gestellt werden, sagte ein Sprecher des Statistikamtes. Die Regierung will die Wirtschaft auf einen nachhaltigeren Kurs bringen. Der Binnenkonsum soll gestärkt und die Exportabhängigkeit verringert werden.

Bereits im Mai hatte Chinas Staatsrat für diesen Zweck neue Industriepläne vorgestellt. Das Programm mit dem Titel „Made in China 2025“ soll dafür sorgen, dass die Ökonomie der Volksrepublik radikal modernisiert wird. Das Land will sich innerhalb der nächsten zehn Jahre von der Werkbank der Welt zu einer innovativen Industrie wandeln.

Die Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen hatten nach Ansicht von Analysten bislang kaum Auswirkungen auf das Wachstum. Nach einem steilen Kursanstieg im vergangenen Jahr waren die Börsen Mitte Juni plötzlich um über ein Drittel eingebrochen. Wegen massiver Hilfsmaßnahmen der Regierung haben sich die Märkte seit einigen Tagen jedoch wieder stabilisiert.

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