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Unternehmerverband Nord : Wirtschaft fürchtet A7-Ausbau

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Unternehmer-Präsident Uli Wachholtz warnt vor den Folgen der Langzeitbaustellen auf der A7 Richtung Süden: Erste Firmen verlassen den Norden.

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Hamburg | Mit vereinten Kräften gegen den Stau-Gau im Norden: Hamburg und Schleswig-Holstein planen nun doch die Einsetzung eines Baustellen-Koordinators für den bevorstehenden Ausbau der Autobahn 7. Die Gespräche dazu liefen, sagte der Kieler Verkehrs- und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) gestern beim Jahresauftakt des UVNord in Hamburg. Auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) bestätigte: „Es wird einen Koordinator geben.“ Welche Zuständigkeiten solch ein Baustellen- und Verkehrsmanager erhalten soll, wo er angesiedelt wird, ob ihm eine Task Force zur Seite stehen wird und wer den Posten bekleiden soll – all das ist noch Gegenstand der Verhandlungen zwischen den Nachbarländern.

Die A 7 wird ab Mitte dieses Jahres zwischen Bordesholmer Dreieck und Elbtunnel um zwei Fahrspuren verbreitert und erhält auf Hamburger Gebiet zugleich einen vier Kilometer langen Lärmdeckel. Die abschnittsweisen Bauarbeiten dauern rund zehn Jahre und werden für Dauerstörungen auf einem der meist befahrenen Autobahnabschnitte Deutschlands sorgen. Dennoch schien Hamburgs Senat die Folgen bisher eher mit Bordmitteln bewältigen zu wollen und hatte die Einrichtung einer Task Force abgelehnt. Wirtschaftsverbände und Oppositionsparteien verlangen dagegen immer vehementer, dass die Länder für die Folgen der größten und langwierigsten Straßenbaustelle im Norden seit Jahrzehnten eine eigene Koordinierungseinheit aufstellen. So gestern erneut auch UVNord-Präsident Uli Wachholtz. Er mahnte: Wegen der teils maroden Verkehrswege im Norden siedelten sich bereits jetzt erste Unternehmen lieber südlich der Elbe an.

Bei der Jahresauftaktveranstaltung des Unternehmensverbandes unter dem Titel „Perspektiven für Hamburg und Schleswig-Holstein“ ließ Wachholtz kaum ein gutes Haar an der politischen Kooperation zwischen beiden Ländern. „Diesbezüglich blickt die Wirtschaft auf zwei beinahe verlorene Jahre zurück.“ Vor etwa 500 Gästen verlangte der Verbandsboss diverse konkrete Maßnahmen für ein engeres Miteinander, allen voran eine gemeinsame Landesplanung, ein gemeinsames Marketing sowie eine vereinte Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel. Scharfe Kritik ging an die Adresse der Kieler Koalition. Diese mache der mittelständischen Wirtschaft mit Nadelstichen wie dem Vergabe-und Tariftreuegesetz, dem Landesmindestlohn sowie dem Korruptionsregister das Leben schwer. Warme Worte aus dem Munde des UVNord-Chefs gab es dagegen für Minister Meyer für dessen Einsatz in Sachen A 20 sowie ein „exzellentes Management“ bei der Sanierung der Rader Hochbrücke.
Meyer und Horch wiesen die Kritik an angeblich kümmerlicher Kooperation zurück. „Wir arbeiten bereits sehr eng zusammen, vor allem bei Themen wie Energiepolitik, Logistik und maritimer Wirtschaft“, so Horch. Er verwies auch auf das neue Bündnis Unterelbe, in dem die Industriestandorte Stade, Brunsbüttel und Hamburg künftig an einem Strang ziehen würden.

Meyer räumte immerhin ein, dass er sich noch engere Absprachen bei der Landesplanung wünscht. Auch müssten die Verantwortlichen stärker „norddeutsch denken und handeln“. So hätte er sich eine gemeinsame Investitionsbank mit dem großen Nachbarn vorstellen können, was Hamburg einstweilen ablehnt. Dennoch sieht Meyer die Partner im Gleichschritt und auf gutem Wege, etwa mit den Plänen für das erste länderübergreifende Gewerbegebiet in Barsbüttel (Kreis Stormarn) und Hamburg-Rahlstedt.

Auch bei einem ganz großen Traum Hamburgs träumt der Kieler Minister vom Schulterschluss mit der Millionenstadt. Sollte sich Hamburg zu einer Olympia-Bewerbung durchringen, wäre das „ein tolles Projekt für die ganze Metropolregion“. Erheblich profitieren würde auch die Infrastruktur in Schleswig-Holstein. Meyer: „Dann bekommen wir unsere westliche Elbquerung.“

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