zur Navigation springen

Zulassungen : Wirbel um Tüv und Dekra: Das müssen Sie jetzt wissen

vom

Es geht um Hauptuntersuchungen und die Frage, wer sie durchführen darf. Fragen und Antworten.

Um die Zukunft der Prüf-Plakette für Millionen von Autofahrern gibt es großen Wirbel. Prüforganisationen wie die Tüv-Gesellschaften und Dekra bekommen dafür eine Zulassung von einer staatlichen Stelle - diese wurde aber nun ausgesetzt. Hintergrund sind neue technische Vorschriften zur Dokumentation von Prüfgeräten, die nicht eingehalten worden sein sollen. Autofahrer müssen aber keine negativen Folgen fürchten, wie der Tüv-Dachverband am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Der Verband gehe davon aus, dass eine Lösung für eine Akkreditierung gefunden werde, sagte ein Sprecher. Die erteilten Plaketten hätten volle Gültigkeit. Ähnlich äußerte sich das Bundesverkehrsministerium.

Fragen und Antworten:

 

Worum geht es?

Damit Prüforganisationen wie die Tüv-Gesellschaften oder Dekra eine Kfz-Hauptuntersuchung machen können, brauchen sie eine Akkreditierung, also eine Zulassung. Diese erteilt die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Die Zulassung wurde nun ausgesetzt.

Die Akkreditierung ist eine der Voraussetzungen, um von den zuständigen Landesbehörden als Prüforganisation anerkannt zu werden.

Warum wurde die Zulassung ausgesetzt?

Die Prüfgesellschaften sollen eine technische Anforderung nicht erfüllt haben. Dabei geht es um eine genaue Dokumentation darüber, welche Messgeräte eingesetzt wurden. Konkret laut DAkkS: um die „messtechnische Rückführung“ von Prüfmitteln. Einzelheiten regelt die Vorschrift ISO 17020, deren Anwendung nach Angaben des Verkehrsministeriums international ab 2023 vorgesehen ist. Eine entsprechende EU-Norm wurde 2012 verabschiedet, es galt laut DAkkS eine Übergangfrist bis März 2015. Hintergrund ist laut Tüv-Verband, dass das deutsche Verfahren der Eichung von Messgeräten bei der Hauptuntersuchung nach EU-Bestimmungen durch andere Dokumentationspflichten ersetzt werden muss.

Was ist eine Hauptuntersuchung?

Alle Fahrzeuge mit einem amtlichen Kennzeichen in Deutschland müssen in regelmäßigen Zeitabständen überprüft werden, ob sie noch verkehrssicher sind und die Umweltstandards einhalten. Pkw müssen in der Regel alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Bei bestandener Prüfung erhalten die Autofahrer eine Plakette, die am hinteren Kennzeichen des Fahrzeugs befestigt wird. Laut Tüv-Report gibt es bei der Hauptuntersuchung bei fast zwei Drittel aller Pkw in Deutschland keine Beanstandungen. Jedes vierte bis fünfte Fahrzeug muss wegen erheblicher Mängel ein zweites Mal vorgeführt werden. Die Hauptuntersuchung - im Volksmund auch „Tüv“ genannt - wird von staatlich anerkannten Prüforganisationen wie zum Beispiel den Tüv-Gesellschaften, aber auch Dekra vorgenommen.

Was macht die Deutsche Akkreditierungsstelle?

Kurz gesagt: Sie prüft Prüfer. Die Akkreditierungsstelle vergibt Akkreditierungen, also Zulassungen, von Laboratorien, Inspektions- und Zertifizierungsstellen. Mit einer Akkreditierung bestätigt die DAkkS, dass diese Dienste ihre Aufgaben fachkundig und nach geltenden Anforderungen erfüllen. Die Akkreditierungsstelle untersteht der Aufsicht des Bundes.

Welchen Stellenwert haben die Hauptuntersuchungen für die Prüfdienste?

Immer noch einen großen. Der Fahrzeugmarkt in Deutschland allerdings gilt als gesättigt, es gibt kein großes Wachstum mehr - entsprechend ist es beim Fahrzeug-Prüfgeschäft. Deswegen haben die Prüforganisationen ihr Produktportfolio in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, ebenso wie das internationale Geschäft. So werden neben Fahrzeugen auch Industrieanlagen, Satelliten oder Medizin- und Umwelttechnik geprüft. Der Tüv Nord etwa macht im Industriegeschäft längst mehr Umsatz als im klassischen Geschäft mit Fahrzeug-Hauptuntersuchungen - ähnlich ist es beim Tüv Süd, auch bei Dekra wächst das Industriegeschäft stark. Insgesamt machen die Prüfgesellschaften Milliarden-Umsätze.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Dez.2015 | 16:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen