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„Wir gehen selbstbewusst in diese Tarif-Verhandlungen“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Meinhard Geiken, Chef von IG Metall Küste, über die Weiterbildung von Beschäftigten und die Rolle der Lokführergewerkschaft

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 13:20 Uhr

In der Metallbranche stehen Tarifverhandlungen an. Auf der Regionalkonferenz in Neumünster diskutiert die IG Metall Küste heute Abend mögliche Lohnforderungen. Vorab erzählte Bezirksleiter Meinhard Geiken, worum es in 2015 gehen soll.

Herr Geiken, die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert, der ifo-Geschäftsklimaindex gab zuletzt ebenfalls nach. Die Konjunkturaussichten für das kommende Jahr trüben sich ein. Sind das nicht ungünstige Voraussetzungen für die Tarifverhandlungen?
Nein. Man muss das differenziert sehen und in die jeweiligen Branchen gucken, um die es bei uns geht. Auch der letzten Arbeitgeberumfrage zufolge sind die Unternehmen in Schleswig-Holstein für das kommende Jahr zuversichtlich. Deshalb gehen wir selbstbewusst in diese Tarif-Verhandlungen.


Jenseits der konkreten Lohnforderungen, die Sie erst nach Regionalkonferenzen wie jener heute in Neumünster formulieren, wird es in den Verhandlungen um welche Themen gehen?
Das eine Thema werden flexible Übergänge in die Rente sein. Die tariflich geregelte Altersteilzeit wollen wir, die wollen auch die Arbeitgeber. Nur hat sich gezeigt, dass auch dann, wenn beide das gleiche wollen, sie noch nicht dasselbe meinen. Das andere Thema ist Bildungsteilzeit: Wir hätten gedacht, dass Arbeitgeber gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels das unterstützen, doch dem ist nicht so.

Aber ist Weiterbildung nicht Sache des Arbeitnehmers selbst, so etwas wie sein Privatvergnügen?
Genau das sagen die Arbeitgeber auch. Doch nach meiner Meinung ist das eine sehr kurzsichtige Sichtweise. Natürlich sind auch die Arbeitnehmer selbst gefordert, sich weiterzubilden und zu qualifizieren. Aber gerade ein junger Arbeitnehmer, der zum Beispiel eine Familie gründet, muss auch genug Zeit und Geld für Weiterbildung haben. Da ist die Unterstützung des Arbeitgebers gefordert.


Wird es bei den Verhandlungen auch um Leiharbeit- und Werkverträge gehen?
In dieser Tarifrunde wird das kein Thema sein. Wir haben das als IG Metall mittelfristig als Thema und sagen, dass man dort etwas regeln muss. Was wir für diesen Bereich erwarten, ist mehr Transparenz und mehr Mitbestimmung für unsere Betriebsräte.

In der Vergangenheit haben Sie oftmals vor ausufernder Leiharbeit und Werkverträgen gewarnt. Wie hat sich die Situation denn entwickelt?
Die Leiharbeit ist in unserem Bereich zurückgegangen. Aber die Situation ist so, dass immer mehr Leiharbeit offenbar in Werkverträge übergeht.


Ein im Norden besonders wichtiger Bereich ist immer die Windkraftindustrie. Die EEG-Reform wurde von der Bundesregierung auf den Weg gebracht. Wird dort jetzt alles gut?
Wir sind an dem Punkt, wo die Unternehmen Planungssicherheit haben. Allerdings sind die Betriebe jetzt auch gefordert, in dem Bereich zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Durch die langen Diskussionen im Vorfeld der Reform haben viele Unternehmen Investitionen aufgeschoben, in vielen Betrieben gibt es Kurzarbeit. Investieren die Firmen nicht, drohen da Arbeitsplatzverluste.


Zum Abschluss noch ein anderes Thema: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plant ein Gesetz zur Tarifeinheit. Wie beurteilen Sie ein solches Gesetzesvorhaben?
Wir müssen jetzt erst einmal den Gesetzentwurf im Detail bewerten. Klar ist für uns als IG Metall, dass die Koalitions- und die Streikfreiheit nicht angetastet werden dürfen. Aber es gilt für uns auch der Grundsatz: Ein Betrieb, eine Gewerkschaft, ein Tarifvertrag – das hat sich in Deutschland bewährt. Zudem muss man sehen, dass Gewerkschaften wie die GdL immer für einzelne Berufsgruppen kämpfen, doch ein Tarifvertrag sollte aus meiner Sicht solidarisch für alle Arbeitnehmer gelten.



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