Kommentar zu teurem Ackerland : Wir brauchen eine Agrar-Preisbremse

Teures Gut – Ackerflächen eifern Baugrundstücken nach.
Teures Gut – Ackerflächen eifern Baugrundstücken nach.

Eine „Mietpreisbremse“ für den Agrarsektor muss her: Die immer weiter steigenden Preise für Ackerland gehören in den Fokus der Politik. Ein Kommentar.

shz.de von
25. Juni 2014, 07:41 Uhr

Kiel | Die Preise für Baugrundstücke schießen durch die Decke – an solche Warnungen haben wir uns längst gewöhnt. Dass sich der Markt für landwirtschaftlich genutzte Flächen fast genauso dynamisch entwickelt wie der Immobilienmarkt, stand jedoch bisher nicht im Fokus der Politik. Das dürfte sich bald ändern. Explodierende Preise für Agrarflächen werden nämlich spätestens dann für Bauern zum Problem, wenn sie ihre Hofgrößen anpassen müssen. Dann wird ihnen durch den teuren Bodenerwerb Kapital für Investitionen entzogen. In Ostdeutschland spricht man bereits von neofeudalen Strukturen, weil Großkonzerne auf der Suche nach rentablen Investitionen ortsansässige Bauern beim Landkauf regelmäßig überbieten.

So weit darf es bei uns nicht kommen. Vor allem darf der Staat selbst die Preisrallye nicht noch befeuern. Das hat er in der Vergangenheit durch die viel zu hohe Förderung der Biogasanlagen getan, die in Konkurrenz zur traditionellen Landwirtschaft erhebliche Maisanbauflächen beanspruchten. Und das setzt er in der Gegenwart mit seinem unsinnigen Verfahren bei den Ausgleichsflächen fort. Hier könnte ein Umdenken für Entspannung an der Preisfront sorgen. Statt Quantität ist jetzt Qualität gefragt. Bislang müssen pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche, die für Windräder oder Autobahnen benötigt wird, fünf Hektar als Ausgleich für den Naturschutz bereit gestellt werden. Damit entzieht der Staat den Bauern systematisch Acker- und Grünflächen.

Sinnvoller wäre es, Geld als Ausgleich zu verlangen, um damit die vorhandenen Naturschutzflächen aufzuwerten. Das wäre quasi die Mietpreisbremse für den Agrarsektor.

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