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Steigende Leistung : Windkraftbranche im Rekordfieber

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Leistung der installierten Anlagen stieg im ersten Halbjahr so stark wie noch nie – allein in Schleswig-Holstein wurden 52 Rotoren aufgestellt

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2013 | 03:35 Uhr

Thorsten Herdan fing mit den guten Nachrichten an: Trotz der im Frühling aufgeflammten Debatte über Kürzungen bei den Fördersätzen für die Windkraft ist die Branche in der ersten Hälfte dieses Jahres schneller gewachsen als je zuvor. „Wir haben lauter Rekordzahlen zu vermelden“, verkündete der Chef des Branchenverbands VDMA Power Systems gestern in Berlin. Vor allem die zusätzlichen Ausweisungen von Windkraftflächen in den vergangenen Jahren würden sich jetzt spürbar auswirken.

So stieg die installierte Gesamtleistung der Anlagen zwischen Anfang Januar und Ende Juni um 1143 Megawatt – „eine Halbjahreszahl, wie wir sie noch nie in Deutschland hatten“, sagte Herdan. Zum Vergleich: Die Leistung entspricht in etwa der eines Atomkraftwerks. Und weil die Betreiber in der zweiten Jahreshälfte erfahrungsgemäß noch stärker investieren, erwartet Herdan fürs ganze Jahr sogar einen Kapazitätszuwachs von 2900 Megawatt – „das ist fast wieder das Rekordniveau von vor elf Jahren“. Insgesamt stehen derzeit 23 400 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 32 400 Megawatt in der Republik.

Am kräftigen Plus der Windbranche hat nicht zuletzt Schleswig-Holstein seinen Anteil: 52 Windräder mit einer Leistung von zusammen 141 Megawatt sind hier in der ersten Jahreshälfte entstanden – nur in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz waren es noch mehr. Allerdings übte die Präsidentin des Bundesverbands Windenergie auch Kritik am nördlichsten Land: „In Schleswig-Holstein stehen noch immer sehr niedrige Anlagen – da ginge deutlich mehr Effizienz“, sagte Sylvia Pilarsky-Grosch. Nach einer Faustregel bringt jeder Meter in die Höhe ein Prozent mehr Ertrag.

Tatsächlich sind die im Land zwischen den Meeren neu errichteten Masten dieses Jahr sogar noch kleiner als im vergangenen – durchschnittlich nur 78 statt 81 Meter. Damit sind sie die niedrigsten in ganz Deutschland. In Rheinland-Pfalz etwa sind sie mit 133 Metern viel höher. Woran in Schleswig-Holstein der Trend nach unten liegt, konnten die Experten in Berlin nicht sagen – auch aus dem Kieler Energiewendeminister von Robert Habeck gab es gestern keine Erklärung dafür.

Auch wenn noch 98,8 Prozent der Windkraftleistung auf die Anlagen an Land entfallen, gibt es selbst bei den Rotoren auf See Lichtblicke. Der Zubau lag zwar im ersten Halbjahr mit 105 Megawatt auf niedrigem Niveau, war aber so hoch wie nie zuvor. Dazu passte gestern auch die Nachricht, dass der Energiekonzern RWE jetzt die Genehmigung erhalten hat, weitere 108 Anlagen für seine Meereswindparks „Nordsee 2“ und „Nordsee 3“ rund 40 Kilometer nördlich von Juist zu bauen.

Allerdings warnte VDMA-Geschäftsführer Herdan auch vor großen Problemen beim Offshore-Ausbau – und kam damit zu den schlechten Nachrichten. „Wir haben eine riesige Unsicherheit im Markt“, kritisierte er. Falls die nächste Bundesregierung nicht rasch für klare Verhältnisse sorge, werde bis 2015 kein Euro mehr in Hochseewindparks fließen. Herdan forderte, „die Rahmenbedingungen für die Windparks nicht mehr an den Zeitpunkt der ersten Stromlieferung zu knüpfen, sondern an den Zeitpunkt der Investitionsentscheidung“. Dringend nötig sei zudem eine bessere Abstimmung zwischen Ausbau der Windparks und der Stromnetze. „Im Moment geht die Deharmonisierung weiter“, schimpfte er. Dabei drohe eine Umkehrung der bisherigen Verhältnisse: Während der neue Windpark „Riffgatt“ vor Borkum diesen Monat noch Schlagzeilen gemacht hat, weil der holländische Netzbetreiber Tennet die Anbindung ans Stromnetz nicht rechtzeitig gebaut hat, könnte es bald Netzanschlüsse ohne Windfarmen geben, warnte Herdan: „Das, was Tennet in Bau hat, ist deutlich mehr, als das, was die Parks in Planung haben.“

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